Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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37 Kopfe mich stächen. Innerlich wunderte ich mich, daß ein so gebrechlicher Alter, entkräftet durch das Sitzen im Gefängniß, zerquält durch das Schicksal zweier ihm theueren Wesen, ein Schicksal, das vor seinen Augen sie traf, noch unter den Lebenden fein konnte! Und doch, sehet ihr, ich kam nicht von Sinnen, ich lebe, fuhr er nach kurzem Stillschweigen fort, als wollte er auf meine innerlichen Gedanken antworten, — ich, ein zerbrochenes Gesäß, ein zerschlagener Scherben, muß noch die ganze Qual eines ungetrübten Verstandes ertragen, und jene, so schön und unschuldig, kaum im Beginn ihrer Blüthe, mußte sich trennen von ihren Träumen und Hoffnungen.... Was ist zu thun! Gott ist gerecht!. Er gab und nahm wieder zurück, sein Name sei gepriesen! Was geschah dann? fragte ich, als ich sah, daß er etwas ruhiger wurde. Was konnte noch geschehen? erwiderte er mit Schmerz. War das Eine etwa nicht genug für mich?.— Man führte mich weit nach Norden; da blieb ich einige Monate. AufBetrieb guter Menschen ward ich dann nach der hiesigen Besatzung gebracht und mit guten Empfehlungen versehen. Auf Betrieb derselben Leute wurden 'meine Handelsgeschäfte abgeschlossen, weil das Unheil mich unerwartet betroffen hatte und die Geschäfte in Unordnung gerathen waren. Was man noch zusammenbringen konnte von meinem vermögen und was noch übrig war von den letzten Ausgaben meiner seligen Frau und von den Plünderungen der Handlungsdiener, verwandelte man in Geld und legte es in getreue Hände. Für meine jüngere Tochter nahm man eine alte Verwandte an, und von den Zinsen zählt man derselben den nöthigen Unterhalt. Meine ältere Tochter liegt, wie man mir schreibt, in der Kreisstadt im Krankenhause auf den Tod. Ich flehe zum Himmel, daß er sie.bald zu sich nehme. — Mir schickt man auch öfters Geld hierher, und ich bedarf dessen kaum, denn ich habe hier wenig