Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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48 unglückliches Loos vergessen. Nehmet meinen letzten Kuß. Wir werden uns wahrscheinlich nie wieder sehen. Wer kann das wissen? sprach ich. Obgleich Geschäfte sür mich in dieser Gegend wohl nicht wieder vorausjusehen, doch .... der Handelsgott ist launenhaft, er wirft seine Verehrer unverhofft und wider ihren Willen nach allen Enden der Welt. Ich hoffe, euch noch einmal glücklich und ruhig in den Armen eurer Tochter wieder zu sehen. ' Er schüttelte wehmüthig den Kops. Wir umarmten uns und schieden. 4. Zehn Jahre vergingen. Der launenhafte Handelsgott trieb mich wirklich zum zweiten Male nach Z. y Nach einer kurzen Erholung von der Reise — ich hatte mehr als ein halbes Tausend Werst auf stets wechselnden Postwagen zurückgelegt — war mein erstes Geschäft, den Strasnoi zu besuchen. Er wohnte noch in demselben Häuschen, wo das eine Fenster hinausging in die dumpfe, menschenleere Gasse. Der Tag neigte sich zum Abend. Mein Busen fühlte sich stark bewegt. Was mag mein alter Freund machen? Brachte die Zeit ihm, wo nicht Trvst, doch. mindestens Vergessen seiner alten Wunde? Gelang es ihm, seine Tochter zu sehen, nach welchem sein zerrissenes Herz sich so sehr sehnte? Diese Fragen drängten sich nach einander in meinem Kopfe, als ich glühend vor Ungeduld an das Höschen lief und an die lange bekannte Thüre eilte. Auf der Hausflur begegnete mir ein junger Soldat, der ein Papier in der Hand hielt; am Gesicht erkannte ich in ihm sogleich den Ebräer. Er hielt mit dem Rücken die Thüre zu, nahm artig die Mütze ab und'fragte: was ich wünschte. Ich sagte, ich wollte den Alten sehen.