Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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54 her erfuhr, auch wirren. Der Kleine löste den ab, welcher am Bette des Kranken saß, und der, welchen ich mit dem Recept getroffen hatte, machte sich ein nicht sehr bequemes Lager auf dem Boden, nobe beim Kranken; das thaten auch die beiden andern auf dem Vorplatz; es war deutlich, daß sie sich bereiteten, abwechselnd die ganze Nacht bei der Hand zu fein. Sie gingen öfters binaund herein; einer reichte dem Kranken die Arznei, einer ihm das Bett zurecht, einer holte Wasser herbei, einer that arideres. Einigemal vernahm ich ein flüsterndes Wort, indem einer den Andern fragte: Was macht der Vater? Wie gehts dem Vater? Was sagt der Doktor? Wird der Vater noch leben? Alle waren besorgt, alle blickten mit sichtlicher Theilnahme oftmals nach dem Kranken hin. Man sah deutlich, daß sie für ihn starke Ergebenheit empfanden. Mit dem Doktor saß ich neben dem Bette des Alten und wir wechselten nur wenige Worte. Der Kranke war ruhig; er nahm bisweilen meine Hand und drückte mit den Augen aus, wie angenehm meine Gegenwart ihm war. Ihr wundert euch wahrscheinlich, daß diese Soldaten bei mir verweilen? sagte er zu mir, da er bemerkte, daß ich oft aus den einen und den andern hinblickte, welche immer auf den Zehen aus- und eingingen. Ja, ich begreife nicht, weshalb ihr so viele Bediente habt, sprach ich, sie machen euch nur Unruhe, während sie sich bemühen, das Gegentheil zu thun. Zwei, dächte ich, wären genug. Sie würden um alles in der Welt ihn nicht verlassen, sprach der Doktor. Sie bitten mich, küssen mir die Hand, daß ich sie nicht fortschicke. Schicket sie auch nicht fort, sprach der Kranke. Sie nennen mich Vater, das Wort höre ich gern; es erinnert mich so sehr an mich selbst. Wer sind sie denn, diese Soldaten? fragte ich. Durch welche Schicksale geriethen sie an euch?