Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 40 (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3138070-3138071-3138072--0046-3138136
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 nach dem herrschenden Volk, aber der niedere Adel, der Beamtenstand und der Bauernstand bot in dieser Beziehung nichts dar, was der Nachahmung werth war. In Hausen zusammengedrängt, auf engen Raum, sind sie nicht im Stande, sich aus dem dichten Netz der Vorurtheile herauszuwinden, welches schon im Mittelalter geflochten ward; sie verwickelten sich vielmehr um so stärker darin, weil die steigende Unwissenheit zu den alten Abgeschmacktheiten noch neue Albernheiten hinzubrachte. Diese nicht beneidenswerthe Lage der Dinge vermittelte das System einer so zu sagen störrigen Gegenseitigkeit, welches über sie hereinbrach. Unwillkürlich fließt in solchem Falle Alles in einander, hält sich fest und Einer nimmt vom Andern an, was gar nicht von einander entlehnt werden sollte. Eingesperrte Menschen schütten aus dem leeren Gefäße in's leerere, und treiben unsinniges Zeug; in Freiheit lernen sie gehörigen Umgang mit der Welt, beschäftigen sie sich mit Arbeit und bringen nicht bloß sich, sondern auch Andern Nutzen. Bei allem dem nahm die Bildung ihr Recht im Sturm, wie der Strafnoi sich ausdrückte, und rückte vor durch die möglichsken Schwierigkeiten, welche der Obscurantismus und ungünstige Verhältnisse entgegenstellten. Es gab keine Stadt und keine Ortschaft, wo nicht eine genügend ansehnliche Zahl verständiger, europäisch gebildeter Menschen waren. Anfangs fiel es ihnen schwer, gegen die Chassidim anzukämpfen, weil diese den Reichthum und die Gewalt, folglich auch die Ortsobrigkeit, meist auf ihrer Seite hatten. Die rohe Selbstsucht wollte überall herrschen. An der Spitze der Chassidim standen oft reiche Leute, welche ihren Zadikim außerordentliche Geschenke reichten und dadurch auf die Masse des Volkes Einfluß hatten, welche sie in Abhängigkeit hielten. Alle Gewerbe waren in den Händen dieser Kolonnen-Führer, alle geringern Brüderschaften bedurften ihrer und mußten nach ihrer Pfeife tanzen. Eine Hand wusch die andere. Die Ortsherrschaften waren immer für diese kleinen und rohen Despoten, und mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.