Mannheim
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  1. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 57

    57 lockten sie ins Wirthshaus, machten ihn betrunken und rissen ihm den Paß aus der Busentasche. Erzähle du selber, mein Lieber, was mit dir geschehen, schloß der Doktor, sich . an den stattlichen Auswärter wendend, welcher gleichgültig den…

  2. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 58

    58 mich an. Wohin?" sprachen sie, wir lassen dich nicht von der Stelle. — Warum nicht? — Nun, weil wir nicht fortlassen einen der unter die Soldaten gethan ist. — Warum unter die Soldaten? — Nun, weil du Landstreicher bist; du bist unser Au…

  3. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 59

    59 würdig; — man zieht mit euch, und nimmt euch euer Geld ab. Hol euch der und der! und Gott gebe, von euch nichts ' mehr zu erfahren. Aber ich werde Gott und meinem Kaiser treu und redlich dienen, nicht wie diese Schufte, welche hundertmal…

  4. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 60

    60 5. Ich wünschte mit Ungeduld zu erfahren, was aus der Tochter des Strafnoi geworden sei, aber wagte nicht den Doktor mit Fragen zu belästigen, da ich sah, daß er sich schmerzlichen Gedanken überließ. Aber als wir in seiner Wohnung ankame…

  5. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 61

    61 heran, ward täglich hübscher und man sagt, sie war schon, eine allerliebste Jungfrau; ich hatte sie verlassen, als sie noch Kind war. Ich machte damals meinen Kursus durch, und hatte die Absicht, sie zu heirathen, wenn sie einwilligte. A…

  6. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 62

    62 fuhr der Doktor fort, praktizirte ich in derselben Gubernialstadt, wo ihre Schwester gestorben war, und wo sie noch lebte. Da , kam es bisweilen vor, daß ich aus Spaziergängen der Unglücklichen im Kreise ihrer verächtlichen Freundinnen b…

  7. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 63

    63 in Kenntniß. Ich ließ meine Praxis im Stich und reiste her, um meinem alten Wohlthäter Hülfe zu bringen, oder im schlimmsten die Augen zu schließen. Leider ist Ersteres nicht in der Macht eines Menschen, und nur das Letztere bleibt mir ü…

  8. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 64

    64 Er seufzte tief auf. Ich lebte in Sorgen, fuhr er fort, ich setzte meine Freude in Dulden, und der Herr öffnete mir die Augen und zeigte mir, daß Alles vergänglich ist und gebrechlich. Als ich in. meiner Familie lebte, in Zufriedenheit u…

  9. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 65

    65 Neuem sich zu den Soldaten wendend, die jetzt in Reihe vor seinen Augen standen: Euch steht ein mühevolles Leben bevor, liebe Kinder, und ein langer Weg für Erfahrungen liegt vor euch, aber hütet euch Gott zu beleidigen durch euer Murren…

  10. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 66

    66 Die Bestattung dauerte nicht lange. Jeder Ebräer hat das Recht das letzte Gebet über den Entschlafenen zu lesen. Wir ließen den Sarg in das Grab Hinab, der Doktor las aus dem Gebetbuche die letzten Abschiedsworte für den verstorbenen Mit…

  11. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 67

    II. Die Juden aus MaLlorca. Von Dr. M Kayferling.

  12. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 68

    Jfti gleicher Entfernung von der afrikanischen Küste und dem spanischen Festlande liegt in dem Theile des mittelländischen Meeres, welcher das iberische genannt wird, eine kleine Inselgruppe, die all' das Gute und Herrliche in sich vereint,…

  13. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 69

    70 seinen kräftigen Reben und reicht dem durstenden Wanderer den ersehnten Labetrunk. Nach dieser Insel mögen mir meine sreundlichen Leser heute folgen. Wir wollen uns einmal nach dem Schicksale, dem Wohlergehen und Leiden unserer Glaubensb…

  14. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 70

    71 auf der Insel zu Macht und Geltung gelangten, wurden die Juden aus dieser Ruhe aufgescheucht. Geistliche und weltliche Schriftsteller berichten nämlich von einer großen Judenbekehrung, welche zu Ansang des 5. Jahrhunderts (418) durch Bem…

  15. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 71

    72 Bischofs, taufen und zog viele Glieder seiner Gemeinde mit sich zu seinem neuen Glauben. Mag auch eine Judenverfolgung und Bekehrung auf der Insel stattgefunden haben, mögen auch Viele aus Liebe zum Leben den frommen Wünschen des tauflus…

  16. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 72

    73 hatten liegende Güter und beschäftigten sich mit dem Ackerbau, wie sich aus dem Memoriale der Länder-Vertheilung ergiebt, welche der aragonische Eroberer veranstaltete, um seine Barone und Ritter für die ihm bei der Einnahme der Insel ge…

  17. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 73

    74 tosa, wie die „Gebrüder Astrue" oder „Astrue und Compagnie" hatten hier ihre Besitzungen 7). Güter und Besitzungen wurden ihnen gelassen, als der aragonische Eroberer am letzten Tage des Jahres 1229 Mallorca mit seinem Königreiche verein…

  18. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 74

    75 selben Bedrückungen; ihr ferneres Weilen bildet eine große Kette, in der sich Leid an Leid fügt, kein Heller Sonnenschein durchbricht die unheildrohenden Wolken ihres schwarzen Horizontes. Kaum hatte sich D. Jaime der Insel versichert, s…

  19. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 75

    76 auch in Lerida und Gerona ihrem Wunsche nicht willfahren wollte, nach Mallorca. Ob ihnen hier weniger Schwierigkeiten als an den anderen Orten gemacht wurden? Man war unbesonnen genug, sie zuzulassen. Unbesonnen, sage ich, weil die arago…

  20. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 76

    77 Bedingungen in allen Theilen der Insel sich niederlassen konnten^). Sieben Jahre später bot Mallorca den Schauplatz einer Meuterei, welche allmälig den Charakter einer offenen Revolte annahm. Es war in dem denkwürdigen Jahre 1391. Ganz S…