Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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38 nöthig. Die Militär-Behörde geht mit mir gut um, man hat mir gestattet, eine eigene Wohnung zu miethen, und belästigt mich wenig mit dem Dienst. Möge Gott, der Beschützer aller Unglücklichen, es ihnen lohnen. Sie sind sehr herablassend gegen mich, nämlich die älteren Hauptleute; von jüngern geschieht schon Manches; aber ich weiß, was ich thue, und ich weiß auch, über was Einem zu klagen zusteht. Nun, daist nichts zu machen, ich dulde. Ich werde übrigens sogar bisweilen munter und füge mich in meine Lage; es dauert ja doch nicht lange; nur der Gedanke an mein unglückliches Kind, das einzige mir theure Wesen, das mir noch verblieben, quält mich beständig. Das Mädchen wird heranwachsen, ausblühen;.... was wird aus ihr, der mutterlosen Waise werden? tausend und zweihundert Werst entfernt von mir!.... Er senkte das Haupt und überließ sich dem tiefen Schmerze. Lange ging ich im Zimmer aus und ab, bisweilen auf den Strassoldaten einen verstohlenen Blick werfend. Er saß die ganze Zeit in derselben Stellung und es schien, daß er meine Gegenwart gänzlich vergessen hätte. Ich trat an's Fenster und öffnete es. Der Sommerabend war in seiner ganzen bezaubernden Schönheit. An dem dunkelblauen Himmel, besäet mit Millionen Sterne, theils blendend hell, theils kaum flimmernd und gleichsam zitternd in der unaussprechlichen Ferne, schwamm still dahin der Vollmond, ein weißes beruhigendes Licht verbreitend. Die Stadt schlief bereits lange, Alles in der Natur war still und feierlich. Ich ging an den Greis heran und legte die Hand auf seine Schulter, er stand auf, ich führte ihn an's Fenster. Sehet, sagte ich zu' ihm, wie schön da Alles ist, ist auch das nicht im Stande, euch zu trösten? Ihr sprechet von der Schönheit der Natur, antwortete er, und fraget, ob sie mich tröste? Nein! Ihr seid noch jung, ihr habt noch nicht Unglück erfahren. Eure Augen schauen anders und geben der Seele ihre Eindrücke anders wieder. Auch ich