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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 51

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 51 (sequence 55)
Language
German
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51 zu hoffen war, betrat ich das Zimmer, welches ich seit zehn Jahren nicht gesehen hatte, aber das ich mir seitdem oft im Gedächtniß vorstellte. Derselbe Tisch mit Büchern, zu denen noch einige neue hinzugekommen waren, derselbe Kasten im Winkel, mit dem grauen Mantel darüber, dieselbe Montirung mit dem Gehänge an der Wand, alles stand wieder vor mir in seinem bekannten Anblick; aber aus dem Bette lag der Kranke, der abgezehrte Alte, dessen Locken und Bart völlig ergraut waren, und auf dessen gänzlich abgemagertem Gesichte schon der Tod lag. Am Fuße des Bettes saß unbeweglich ein junger Soldat, von Gesicht sehr ähnlich dem, welcher mit dem Recept fortging. Wir setzten, uns still etwas fern vom Kranken. Nun, endlich wird er von seinen Leiden frei, flüsterte der Doktor mir zu. Ich zweifle, daß er noch 24 Stunden lebt. Also gar keine Hoffnung? fragte ich. Keine! Wie könnte er in seinem Alter solche Lungenentzündung aushalten? Ist er schon lange krank? Es wird kaum ein Monat sein. Bedarf es etwa längerer Zeit? Früheres Leid hat sein Leben fortschreitend untergraben, das letztere hat ihn völlig vernichtet. . Was meint ihr mit dem letztem Leid? fragte ich. — Ach, entgegnete er, ihr wisst noch nicht? — Er hat auch die zweite Tochter verloren. Ich konnte mich nicht halten, und sank vom Stuhl, ich war im Begiff laut aufzuschreien. Seid ruhig — stille, ihr regt ihn auf, sprach der Doktor, mich an der Schulter haltend und mich wieder hinsetzend. Ich weiß, daß dieser Umstand euch schmerzen muß. In seinen Gesprächen mit mir ließ er nicht die kleinsten Umstände aus und theilte mir alle seine Unterhaltungen mit euch, alle eure Tröstungen, die ihr an ihn verschwendet habt, mit. Er hat mir erzählt, daß ihr ihn mit dem Gedanken tröstetet, er werde 4*

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