Mannheim
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  1. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 174 · Beim Patriarchen

    174 fort mit Grazie. Ich kenne diesen Kriegsruf und bin heute nicht in der Stimmung, ihn wieder zu hören" ... Der Amtsgerichtsrath und der Baumeister waren ebenfalls aufgesprungen. „Ob Du ihn nun hören willst oder nicht," rief Freudenthal, …

  2. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 175 · Beim Patriarchen

    175 „Na, da ist ja der Termin bereits festgesetzt," lachte der Justizrath. „Also dann auf Wiedersehen am Mittwoch!" „Auf Wiedersehn!" Auch Hugo und Heinrich hatten sich verabschiedet, um noch auf ein Stündchen ins Cafe Bauer zu gehen, wo si…

  3. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 176 · Beim Patriarchen

    176 „Natürlich, Josua! Geheimer Kommerzienrath ist garnichts . . . das glaubst Du doch selbst nicht. Ich glaube, wir haben uns einander nichts vorzuwerfen. Die Friedländer- Friedheims und die Benas. Es ist ein sehr imposanter Dreibund. Ich …

  4. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 177 · Beim Patriarchen

    — 177 — und nachdenklich. „Es scheint wahrhaftig, als kämen wir nie mehr davon los. Als verfolge sie uns überall hin. Der Justizrath hat Recht, sie setzt sich mit uns zu Tisch, sie begleitet uus in die Gesellschaften, in die Theater und Kon…

  5. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 178 · Beim Patriarchen

    — 178 — zutreffen sind. Seit dem Jahre 78 königl. Regierungsbaumeister, hat man ihn so vollständig bei Seite geschoben, daß er in Terrainspekulationen und Colonieanlagen seine reiche Kraft ausgeben mußte, da draußen am Kursürstendamm, in de…

  6. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 179 · Beim Patriarchen

    179 euch stecken, wir, der Staat! Ihr wollt bergauf? Seid ausgerüstet zu tüchtigen Bergsteigern, nichts fehlt euch, um die Gipfel zu erklimmen, weder der Muth, noch die Ausdauer und Kraft. Unten bleiben, ruft man ihnen zu. Unten bleiben. Di…

  7. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 180 · Beim Patriarchen

    …ientalischen Seminar aufgehalten." Er legte bei diesen Worten einige Bücher und Hefte auf den Tisch. Dann zog er seinen Paletot aus, den einer der Anwesenden ihm diensteifrig abnahm. „Hast Du bis jetzt gearbeitet?" Eine zärtliche Besorgniß klang a…

  8. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 181 · Beim Patriarchen

    181 tiefen blauen Augen, die schwärmerisch in unbekannte Fernen gerichtet scheinen, blitzte etwas auf von Energie und Fanatismus. „Schon möglich, Sternberg," gab er zur Antwort, „warum sollte ich nicht?" „Ich verstehe nicht, Sternberg, wie …

  9. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 182 · Beim Patriarchen

    182 die Andern seien blind. Sie aber sehen unsere Ohnmacht, unsere Schwäche, unsere Feigheit und Muthlosigkeit nur zu gut . . . wo findet man ein geeigneteres Objekt, um sein Müthchen daran zu kühlen? Weiß Gott, ich machte es nicht anders. …

  10. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 183 · Beim Patriarchen

    183 „Ich komme Euch einen Ganzen!" „Prosit!" „Prosit!" Sie stießen an und die kleine Verstimmung, die Platz zu greifen gedroht, war damit vollständig beseitigt. Gleich darauf nahm Dr. Rosenfeld einen Brief aus einer Mappe und sagte: „Ich ha…

  11. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 184 · Beim Patriarchen

    — 184 — der arischen Kommilitonen hier ihre Studien betrieben, sondern auch junge Männer aus den ersten, reichsten und wohlangesehendsten Familien. Dr. Rosenfeld hatte etwas Werbendes in seiner Natur. Wer mit ihm in Berührung kam, hing ihm …

  12. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 185 · Beim Patriarchen

    185 Gefühl nach nicht aufbringen sollen, um das zu erdulden, was man Euch Juden zumnthet. Daß es geschieht und ob es berechtigt ist, ist ein Punkt, über den ich mich im Augenblick nicht äußern möchte. Du weißt, wie wahrhaft treu ich Dir zug…

  13. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 186 · Beim Patriarchen

    186 blößten Individualität zum Bewußtsein, so verliert er den Unterschied zwischen Sein und Nichtsein, das Dasein wird ihm zum Ekel, er endet mit Selbstmord, d. h. er vernichtet sein Nichts. Es ist nun natürlich, daß dies Streben nach einer…

  14. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 187 · Beim Patriarchen

    187 schreiten. Es werden Generationen vergehen, bevor die Spuren verwischt sein werden/ bevor man die Hinzukommenden für voll ansehen wird, aber die Zeit wird auch das zur Reife bringen. „Solltest Du. also einmal anderen Sinnes werden, dann…

  15. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 188 · Beim Patriarchen

    188 — beschäftigt schwiegen sie einige Zeit, dann fragte Hugo besorgt den Freund: „Bist Du müde?" „Ach nein, nur etwas abgespannt." „Kann ich Dir noch von etwas anderm heute Abend sprechen." „Gewiß!" „Ich bin beunruhigt durch das Eindringen…

  16. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 189 · Beim Patriarchen

    189 Sie waren indeß unten angelangt und verließen gemeinsam das Haus. Es war ungefähr elf Uhr, als vr. Rosenfeld seinen Freund verlassen hatte und dieser war nicht wenig erstaunt, als es kaum eine Viertelstunde später an seine Thür klopfte.…

  17. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 190 · Beim Patriarchen

    190 erstaunten Kinderaugen erschloß sich so die versunkene Welt, der im Elternhause wohl noch eine pietätvolle Erinnerung bewahrt wurde, ohne daß man ihre Formen aufrecht hielt. Bei Rita wirkte das auf die Phantasie, bei Hugo auf den Versta…

  18. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 191 · Beim Patriarchen

    191 Sie hätten Dr. Rosenfeld heute Abend hören sollen, das Herz im Leibe hätte Ihnen gelacht." „Mein Herz weint und schreit in meinem alten Leibe und kann nicht mehr lachen! Hugo, was soll daraus werden? Nie mehr wer' ich lachen, Hugo, nie …

  19. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 192 · Beim Patriarchen

    192 früher auch hochgestellte Persönlichkeiten verkehrt, auch Christen." „Das waren Original-Gojim, in der Wolle gefärbt. Rix wie er . . . un nix verwandt, zu Buß gesagt! Und wenn sie hergekommen sind, haben sie wolln die feinen Diners und …

  20. 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 193 · Beim Patriarchen

    193 und Verbitterung gemischten Aeußerungen über sich ergehen, ohne ihn zu unterbrechen. Er selbst gab ihm ja recht in den meisten Fällen und sah die Dinge zwar im Lichte einer modernen Anschauung aber in ihrem innersten Wesen nicht anders,…