Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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193 und Verbitterung gemischten Aeußerungen über sich ergehen, ohne ihn zu unterbrechen. Er selbst gab ihm ja recht in den meisten Fällen und sah die Dinge zwar im Lichte einer modernen Anschauung aber in ihrem innersten Wesen nicht anders, als der alte erbitterte Mann. Auch daß Elkisch sich des Jargons seiner Heimath bediente, um seinen Worten Nachdruck zu geben, befremdete ihn nicht. Das that er immer, wenn er in Extase gerieth. ,.Und darum Hab' ich immer gesagt," fuhr er nach einer kleinen Pause fort, „Herr Geheimrath Hab' ich gesagt, meinetwegen! Jetzt aber sag' ich nicht meinetwegen! Denn der jetzt gekommen ist, will nicht blos unser Geld, er will auch unser Kind! Unser Ritaleben!" Seine Stimme war heiser geworden und er stieß die letzten Worte wehklagend aus. „Elkisch!" „Ja, ja, mein Hugo! So ist es. Warum is er früher uich gekommen? Er ist doch schon lang in Berlin und hat immer gewußt, wer Josua Benas ist und wie er zu ihm steht." „Es ist doch ein ganz bestimnrter Anlaß, der ihn hergeführt hat, Onkel Leopolds Geburtstag . . ." „Stuß! Das ist die Ausred! Man muß doch etwas sagen. Ausgerechnet! Er will Reb Lobs Geburtstag feiern. Osser, ein wahres Wort!" „Er hätte, um zu uns zu kommen, keiner Vorwände bedurft. Er wird ganz wohl wissen, daß meine Eltern seinen Besuch empfangen hätten, wenn er ganz einfach gesagt hätte, er möchte die Verwandten seiner Mutter kennen lernen." „Das andere klingt aber besser, romantisch. Das ist was für junge Mädel wie Rita ... Du kannst mirs glauben, Hugo. Ich kenne sie. Kein Wort noch hat sie von ihm gesprochen und dabei geht sie rum wie ini Traum. Sonst! Von allem hat sie mir und Rosalie erzählt. Von Jedlitzka, wo sie spielt, und von Skarbina, wo sie malt, und von Theater und Konzerte und von die Philosophiestunden bei Rosenfeld und ob Oelblättchen besser tanzt oder Cohnheim aus der Bellevuestraße . . . Meine Schwester und ich haben unsere ganze Freid und Unterhaltung von ihr gehabt . . . 13