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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 186

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 186 (sequence 55)
Language
German
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186 blößten Individualität zum Bewußtsein, so verliert er den Unterschied zwischen Sein und Nichtsein, das Dasein wird ihm zum Ekel, er endet mit Selbstmord, d. h. er vernichtet sein Nichts. Es ist nun natürlich, daß dies Streben nach einer Distinktion des Individuums am meisten in der Klasse d^r Gesellschaft zum Durchbruch kommt, welche social untergeordnet als fremde Rasse oder Religionsgenossenschast von der Majorität unterdrückt werden. Man will gelten und greift, um dies zu erreichen, zu dem besten Mittel sich Geltung zu verschaffen, zur Auszeichnung auf dem Gebiete der Wissenschaft. Daher stellen beispielsweise die Juden ein so starkes Kontingent zur Klasse der Studirenden, und sie scheuen nicht die Folgen einer Schwäche in den Anlagen, die Mittelmäßigkeit." Ja, wenn man diese Definition Feuerbach's jedem von Euch zur Entschuldigung auf dem Wege geben könnte, lieber Rosenfeld! Aber auch dann würden sie wie Conrad Bolz ausrufen: „Es ist eine Entschuldigung, aber keine gute" und vor allem —• wir wollen sie nicht annehmen. Denn sie beeinträchtigt uns, sie engt uns ein . . . wir wollen der Entfaltung fremder Individualitäten keinen so breiten Spielraum gewähren, wir brauchen den Platz für uns selbst. Die Folge davon wäre, daß diese Fremden darauf verzichten müßten, ihre Individualität herauszuarbeiten und das zu erstreben, was ihnen Distinktion giebt, sie in der gleichgültigen Vielheit unterscheidet. Das aber vermöchtet ihr nicht — warum auch? Es ist so viel Begabung, so viel Geist, so viel Thatkraft bei Deinen Glaubensgenossen und es wäre Selbstmord, begangen von den Individualitäten Deines Stammes, wenn sie dem Auflösungsprozeß in der Vielheit sich willenslos anbequemten, statt sich zu retten zum Wohle des eigenen Volkes. Ob diese zu erreichen ist, kann ich nicht beurtheilen! Schwer mag es sein! Unendlich schwer! Aber unter Euch war einmal Einer, der das Schwerste vollbracht: Die Welt zu erlösen. Sollte es sich aber als unausführbar erweisen, dann sehe ich nur einen Weg: Bekennt Euch zu dem, der hervorgegangen aus Eurer Mitte! Die Bedeutenden, die Großen, die Hervorragenden unter Euch inüßten auch da voran

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