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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 181

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 181 (sequence 50)
Language
German
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181 tiefen blauen Augen, die schwärmerisch in unbekannte Fernen gerichtet scheinen, blitzte etwas auf von Energie und Fanatismus. „Schon möglich, Sternberg," gab er zur Antwort, „warum sollte ich nicht?" „Ich verstehe nicht, Sternberg, wie Du das, was uns heilig ist, die Erinnerung an die Geschichte unseres Volkes, profaniren und zum Gegenstand Deiner geistvollen Scherze machen kannst," sagte Hugo. „Laß ihn doch, Hugo, warum sollen die Bilder nicht lebendig werden?" Eine schmerzliche Sehnsucht klang aus seiner Stimme. „Nicht in übermüthigen Witzeleien!" „Man wird doch wohl noch mal einen Spaß machen können," brummte der Zurechtgewiesene. „Kaum! All' das, was uns einst gehörte, war zu schön und ist jetzt, wo es eine untergegangene Herrlichkeit, ein verlorenes Heiligthum für uns bedeutet, zu traurig, als daß man darüber spotten dürfte. Diese Art, mit Selbstironie und Selbstverhöhnung über die brennenden Schmerzen in unserm Innern hinauszukommen, halte ich für ganz verfehlt. Es scheint mir ein Zeichen des tiefsten Zerfalls, sich selbst zu geißeln und zu verspotten und die Lächerlichkeit, den Hohn, den die andern aus uns häufen, cynisch zu vergröbern durch eigenes Hinzuthun. Das ist würdelos und wirkt zersetzend. Ich hasse daher auch diese Schaustellungen, in denen jüdisches Wesen und jüdische Eigenthümlichkeiten der Verkommensten und Beklagenswerthesten unseres Volkes an den Pranger gestellt werden. Denn man nimmt das einfach als typisch und sagt: „Seht, so sind sie!" Wenn ich die Macht hätte, ich würde das verbieten. Auch diese schrecklichen Börsenwitze, diese Uebersetzungen von Wörtern aus der ehrwürdigen Sprache unseres Volkes in perstder, zweideutiger Auslegung. Wir stehen nicht so hoch über der Sache, um das zu dürfen. Wir sind mitten drin, soweit es Leid und Anfeindung, Kampf und Abwehr bedeutet, und wir sind weit entfernt davon, soweit es Sieg heißt. Und daran sind wir ganz allein schuld. . . Diese Lauheit, diese Gleichgültigkeit, dieses Vertuschen und diese Selbstverspottung ist unser Unglück. Vogelstraußtaktik! Immer die Augen fest zudrücken . . . nicht sehen, nicht sehen wollen und dabei denken,

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