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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 182

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 182 (sequence 51)
Language
German
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182 die Andern seien blind. Sie aber sehen unsere Ohnmacht, unsere Schwäche, unsere Feigheit und Muthlosigkeit nur zu gut . . . wo findet man ein geeigneteres Objekt, um sein Müthchen daran zu kühlen? Weiß Gott, ich machte es nicht anders. Wer sich auf der Erde wälzt, darf sich nicht wundern, wenn er — angespuckt wird! Und auch nicht beklagen!" Er hatte im mächtigen Ansturm seine Worte herausgeschleudert. Ein schwerer Athemzug hob seine Brust und Todtenblässe überzog sein Antlitz. Tiefes Schweigen folgte zunächst seiner Rede. Sternberg spielte verlegen mit einem vor ihm liegenden Buche. Sein Zwicker war herabgerutscht und seine kurzsichtigen Augen flogen suchend von einem zum andern. Endlich erhob sich ein junger Mann und sprach: „Es steckt viel Wahrheit in dem, was Benas sagte. Wir dürfen uns darüber nicht täuschen und eigentlich, wir sind ja die letzten, die es thun, wenn auch einer mal einen schlechten Spaß macht. Jeder von uns fühlt in seiner Seele den gleichen, leidenschaftlichen Schmerz wie Hugo, jeder ist von dem gleichen Stolz durchdrungen wie er und von dem hochgemuthen Willen, Wandel zu schassen." Diese beschwichtigenden Worte machten einen guten Eindruck. Or. Erich Magnus, ein junger Arzt und Sohn eines sehr angesehenen, wohlhabenden Hauses, war als Friedensstifter beiMeinungsverschiedenheiten derKameraden wohlgelitten. Er war es immer, der das versöhnende Wort fand für die bei den lebhaften, verschieden gearteten Jünglingen unvermeidlichen Streitigkeiten und Reibungen. Man nannte ihn daher auch das Oelblatt und er war stolz auf diesen Beinamen. „Oelblättchen hat recht wie gewöhnlich," sagte Hugo und reichte Sternberg seine Hand über den Tisch. „Es war nicht bös gemeint, Siegfried. Und vor Allem ganz unpersönlich, das weißt Du. Mich riß der Gegenstand fort." Sternberg war sofort bereit, einzulenken. Er ergriff Hugo's Hand, sie herzhaft schüttelnd. Oelblättchen erhob hierauf sein Bierglas und, sich zu beiden wendend, und dann zu den übrigen, sagte er:

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