Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 58)
- Language
- German
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189 Sie waren indeß unten angelangt und verließen gemeinsam das Haus. Es war ungefähr elf Uhr, als vr. Rosenfeld seinen Freund verlassen hatte und dieser war nicht wenig erstaunt, als es kaum eine Viertelstunde später an seine Thür klopfte. Elkisch, der alte Prokurist der Firma Josua Benas trat bei ihm ein. Er hatte in einem Seitenflügel des Hauses seine Junggesellen-Wohnung und eine ebenfalls unverheiratete Schwester führte ihm seinen Haushalt nach streng rituellem Brauch. Als der Vertraute der Familie Benas genoß er besondere Rechte, und man ließ den alten Sonderling gewähren, überzeugt davon, daß er in höchster Anhänglichkeit dem Hause zugethan war. Im Geschäft galt er als ein Unikum von Gewissenhaftigkeit, Treue und Tüchtigkeit. Dio jüngeren Angestellten wußten, daß ihr Wohl und Wehe in seiner Hand lag, da der Kommerzienrath in geschäftlichen Angelegenheiten nichts that ohne seinen Rath. Aber auch um die Familienangelegenheiten glaubte er sich bekümmern zu dürfen, und auch da ließ man ihn gutmüthig gewähren, durchdrungen davon, daß das Wohl des Hauses ihm höher stand, wie sein eignes, und wenn man auch seinen sonderbaren Wünschen nicht Rechnung tragen konnte, so duldete man seine Einmischung ohne allzuviel Widerspruch. Man findet in jüdischen Häusern häufig solche Persönlichkeiten, denen die Pietät Rechte einräumt, die in der Vergangenheit wurzebr und mit der nachmaligen Entwickelung des Hauses in gar keinem Einklang stehen. Elkisch war schon bei Benas sen. in Lissa eine Vertrauensperson gewesen und das hatte ihn dem Sohn werth gemacht und sich auf dessen Kinder vererbt. Er duzte Rita und Hugo und beide hatten eine besondere Anhänglichkeit an Elkisch. Als Kinder hatten sie viele Stunden täglich in seiner Wohnung zugebracht. Er und seine Schwester waren erfinderisch, ihnen immer neue Ueberraschungen und Freuden zu bereiten, und besonders den Zauber des altjüdischen Lebens lernten sie dort kennen. Der Freitag-Abend und der Sabbathausgang, die Sederabende und die Heiligung der hohen Festtage wurden streng gehalten und den glänzenden,