Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 56)
- Language
- German
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187 schreiten. Es werden Generationen vergehen, bevor die Spuren verwischt sein werden/ bevor man die Hinzukommenden für voll ansehen wird, aber die Zeit wird auch das zur Reife bringen. „Solltest Du. also einmal anderen Sinnes werden, dann komme zu mir ..." „Das ist ja die reine Proselytenmacherei," brauste Sternberg aus. „Du kennst Rakenius nicht," erwiderte Rosenfeld trübselig. „Nichts ist's, als ein Beweis, wie auch die Besten, die Vorurteilslosesten und Verständigsten unter ihnen denken." „Sonderlich vorurtheilslos finde ich den Brief grade auch nicht," sagte Hugo verstimmt. „So denken und fühlen sie aber — es kommt zum Durchbruch, auch wenn sie noch so sehr bemüht sind, unsere Eigenart zu erfassen. Rakenius hat mir nie zum mindesten Bedenken Veranlassung gegeben. Er war der Entgegenkommende in unserm Freundschaftsbündnis weil, wie es natürlich ist, wir immer die Zurückhaltenden sein müssen, aus Furcht, mißverstanden, für zudringlich gehalten zu werden. Und was er schreibt ist seine innerste Ueberzeugung. Sie kennen keinen Ausweg für uns als den letzten, und er hat sich mir darin auf's Neue bewährt, daß er wenigstens versucht auch den andern zu verstehen." „Es ist stets dieselbe Geschichte. Auch unsere Verteidiger sind unsere Ankläger," sagte Magnus schwermüthig. „Während Feuerbach einerseits die Berechtigung nachweist, giebt er andererseits die Schwäche in den Anlagen, die Mittelmäßigkeit zu . . ." „Bei der Vielheit. —" „Diese aber studirt bei den andern eben nicht und so kommt es wieder auf dasselbe hinaus . . . trotz Schwäche und Mittelmäßigkeit drängt man nach vorn, dazu aber ist man nicht berechtigt, als Fremdling gewiß nicht." Nachdem sie über diesen Gegenstand noch eine Weile gesprochen hatten, verabschiedeten sich Magnus und Sternberg. Heinrich und Hugo blieben allein. Mit ihren Gedanken