Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 179

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 179 (sequence 48)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111074-3111911--1129-3112102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

179 euch stecken, wir, der Staat! Ihr wollt bergauf? Seid ausgerüstet zu tüchtigen Bergsteigern, nichts fehlt euch, um die Gipfel zu erklimmen, weder der Muth, noch die Ausdauer und Kraft. Unten bleiben, ruft man ihnen zu. Unten bleiben. Die kleinen Hügelchen, die sie im ersten Anlauf genommen, ein Kinderspiel für ihre Veranlagung, sind die höchsten Punkte, die man ihnen zu erreichen gestattet. Man sägt ihnen den Ast ab, auf dem sie emporklettern wollen. Man unterbindet ihren Fähigkeiten die Lebensadern. Und daß es eine Einschränkung giebt, die in anderm wurzelt, als in der Unfähigkeit der Betroffenen, der Zuückgestellten ist fürchterlich. Diese Deklassirung der durch Zufall einem andern Glauben Angehörigen." „So hat Hugo und seine Freunde doch nicht so unrecht, wie Du manchmal sagst?" Aeußerste Spannung prägte sich in ihrem Antlitz aus. „Im Prinzip nicht, aber in ihren Zielen. Das sind Hirngespinste, Phantastereien! Ein Traum, den thörichte Knaben träumen und — kluge Frauen!" Das junge Mädchen war dem Gespräche der Eltern gefolgt, halb in träumerisches Sinnen versenkt, halb in regerer Antheilnahme. „Nein, man kommt davon nicht los," sagte sie mit leiser, traumbefangener Stimme. „Ich habe es auch erfahren, heute Abend, als ich mit Dr. Weilen sprach . . . wir waren plötzlich bei diesem heiklen Thema." „Na, da hört aber wirklich Alles auf! Auch Du . . . auch er!" Er küßte sie zärtlich auf die Stirne und fügte scherzend hinzu: „Ich bitte Dich, sage das um Gottes Willen Hugo und Heinrich nicht. Gute Nacht, Rita." „Gute Nacht, Papa! Gute Nacht Mama!" Sie küßte den Eltern ehrerbietig die Hand. „Schlaf wohl, mein Kind," sagte die Mutter, sie zärtlich auf die Stirn küssend. * # *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.