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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 175

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 175 (sequence 44)
Language
German
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175 „Na, da ist ja der Termin bereits festgesetzt," lachte der Justizrath. „Also dann auf Wiedersehen am Mittwoch!" „Auf Wiedersehn!" Auch Hugo und Heinrich hatten sich verabschiedet, um noch auf ein Stündchen ins Cafe Bauer zu gehen, wo sie mit einigen Freunden zusammentreffen wollten. Benas, seine Fau und Rita waren allein. Sie hatten sich im Zimmer der Mutter niedergelassen. „Es ist doch zu merkwürdig, daß man sich so leicht hinreißen läßt, wenn man unter sich ist. Friedheim und Lesser sind immer kampfbereit. Es bedarf nur der geringsten Meinungsverschiedenheit und es geht los," sagte Frau Fanny. „Dabei sind sie gar nicht verschiedener Meinung in dieser Sache, aber das Disputiren ist nun einmal ein Merkmal unserer Rasse. Wir haben entschieden zu viel Temperament . . ." lachte der Geheimrath. Dann steckte er sich eine Cigarre an und lehnte sich behaglich in einen Fauteuil zurück. „Ich bin nur neugierig, ob der Regierungsrath auch so ein Streithammel ist wie die übrigen Friedländer's und Friedheim's", neckte er seine Frau. „Ach, Josua, es fehlt andern auch nicht." „Aber Fannychen, wie kannst Du das vergleichen. Mit der durch Generationen in subtilster Talmudweisheit geübten Dialektik! Das wirkt nach. Nicht umsonst ist diese Nachkommenschaft auf allen geistigen Gebieten hervorragend. Während wir andern mit den Hasenfellen und Wollsäcken unserer Ahnen im Wappen es höchstens bis zum Geheimen Kommerzienrath bringen konnten." Er liebte es manchmal, auf seine geringe Herkunft von einfachen Handelsleuten anzuspielen. Besonders wenn er sich als der Ueberlegene fühlte, als der ruhige besonnene Mann von Welt, der über die Reizbarkeit und Pikirtheit der andern spottete. Das versetzte ihn stets in gute Laune, und Frau Fanny, die das kannte, ging klug darauf ein.

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