Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 2 · page 27

    die Erinnerung an alle Religionen und philosophischen Systeme, an alle Kenntnisse, Künste, Poesie spurlos von der Seele wegzuspülen, nackt, wie der erste Mensch, das Ufer zu betreten - nackt, leicht und freudig, die bloßen Arme frei zum Him…

  2. 1926-01-01 · Heft 2 · page 28

    der Wissenschaft erstreben. Und jene Geistesstimmung, welche Sie zur Zeit so qualvoll beherrscht, - das verschärfte Gefühl der übermäßigen Schwere des auf uns lastenden Kulturerbes - geht wesentlich hervor aus dem Erlebnis der Kultur nicht …

  3. 1926-01-01 · Heft 2 · page 29

    sehnte Befreiung. Wasche dich mit Quellwasser und - verbrenne. Das ist immer möglich, an jedem beliebigen Morgen des täglich erwachenden Geistes. 19. Juni 1920. W. I. 4. An Iwanow Unser zufällig begonnener Briefwechsel von einem Zimmerw ink…

  4. 1926-01-01 · Heft 2 · page 30

    Stande vertrauen, wenn wir sicher wissen, daß er selbst von der Kultur großgezogen wurde und sie natürlich anbetet, wie der unbegabte Sklave den Herrn, welcher ihn erhöhte? Ein anderer nichtkäuflicher Richter erhob in mir seine Stimme. Sei …

  5. 1926-01-01 · Heft 2 · page 31

    indem er mit Evidenz bewies, daß wir völlig in uns eingeschlossen sind und keine Mittel haben, über die Grenzen unsres Bewußtseins hinauszugehen und mit der Welt in Berührung zu kommen. Das Ding an sich ist unerkennbar; indem wir die Welt e…

  6. 1926-01-01 · Heft 2 · page 32

    Nähten reißt und abfällt, dann fragen wir uns kummervoll: warum hat sie die Geister so viele Jahre umwickelt und die Freiheit ihrer Bewegung gehemmt? Wie die in Läden feilgebotenen Sachen uns durch ihr hübsches Aussehen und durch die Bequem…

  7. 1926-01-01 · Heft 2 · page 33

    Blicken Ihre und anderer zeitgenössischer Dichter Aufstiege: es gibt einen freien Raum, und die Menschheit besitzt Flügel! Aber nieine Augen - oder ist das ihre Schuld? - sehen auch etwas anderes: die Flügel sind schwer geworden, und die Au…

  8. 1926-01-01 · Heft 2 · page 34

    seits diesen Vorbehalt machen) „die Schuld meiner Augen sein" - das Verbleiben in einer Kultur nicht ohne eine wesentliche Verschmelzung mit ihr zu denken. Ich aber denke mir, daß das Bewußtsein einer Kultur völlig immanent, daß es ihr aber…

  9. 1926-01-01 · Heft 2 · page 35

    völlig in der relativen menschlichen Kultur leben, sondern mit einem Teil des eigenen Wesens über sie in die Freiheit hinauswachsen. Das Leben in Gott ist wahrhaft Leben, d. h. Bewegung: es ist ein geistiges Wachstum, eine Himmelsleiter, ei…

  10. 1926-01-01 · Heft 2 · page 36

    der Erde „ohne Musen und Schriftzeichen" ufjovöoi xca äyQa^naroL wiedergeboren, um ihr vergängliches Aufbauen wieder zu beginnen, während der heilige Nil das unbewegliche Ägypten rettete, welches auf seinen ewigen Tafeln die von den Hellene…

  11. 1926-01-01 · Heft 2 · page 37

    in seltenen Ausnahmefällen. Sehen Sie doch, wie sich unser Freund Schestow im Netze abplagt. Wie oft haben wir von ihm mit Liebe gesprochen! Hat nicht gerade er die Leere der Spekulationen, den tötenden Dogmatismus der Ideen und Systeme dur…

  12. 1926-01-01 · Heft 2 · page 38

    freien. Hinter den Mauern des Kerkers träumte jenem Griechen vielleicht, dem einen universalen, unpersönlichen Gott, den seine Seele vorausahnte, frei gegenüber zu stehen, jenem Australier die Freiheit und Sorglosigkeit des von Furcht nicht…

  13. 1926-01-01 · Heft 2 · page 39

    aber mein Gefühl ist wie der Berg Nebo, von dem aus Moses es erblickte. Und nicht ich allein sehe es durch einen nebligen Vorhang. M. G. 7. An Gerschenson „Es gibt keine Bewegung - sagte der bärtige Weise" . . . Sein Mitunterredner gab ihm …

  14. 1926-01-01 · Heft 2 · page 40

    …ulse einer wesentlichen Initiative gibt, sie ist ein Wissen davon, daß die Prophezeiungen verstummten, wie der Dekadent Plutarch eines seiner Werke auch betitelte („Von der Erschöpfung der Orakel"). Das ganze Wirken 174

  15. 1926-01-01 · Heft 2 · page 41

    unseres gemeinsamen armen Freundes Leo Schestow besteht im Schreiben eines langen und komplizierten Traktates über dieses Thema. Mit dem Dekadenten redet nicht mehr der Geist durch seine früheren Verkünder, mit ihm redet nur die Seele der E…

  16. 1926-01-01 · Heft 2 · page 42

    „alten Wahren66; und so werden wir, sorglos und wißbegierig, wie Ausländer, an den zahllosen Altären und Götterbildern einer monumentalen Kultur, die zum Teil in Verödung liegen, zum Teil erneuert und neu ausgeschmückt sind, vorübergehen un…

  17. 1926-01-01 · Heft 2 · page 43

    mittelt ihnen, indem sie solche in ihnen erneuert, die Kraft neuer Anfänge, neuer Ansätze." Oh, wenn dem doch so wäre! Aber so war es einst - und hörte auf zu sein. Es wurde so, daß die auf die Väter herabgekommenen Offenbarungen der Wahrhe…

  18. 1926-01-01 · Heft 2 · page 44

    in ihm; und nun ist es auf den Weltenthron erhoben, als objektiver Wert." Alles Objektive entsteht in der Persönlichkeit und gehört ursprünglich nur ihr. Welcher Art ein Wert auch sein mag, seine Biographie stellt unwandelbar jene drei Phas…

  19. 1926-01-01 · Heft 2 · page 45

    Wert-Vainpyre, sogenannte abstrakte Werte, eine Art juristischer Personen im Reiche der Werte. Sie sind körperlos und unsichtbar; sie werden gebildet aus Abstraktionen von konkreten Werten, weil in der geistigen Sphäre das Gesetz der Kohäsi…

  20. 1926-01-01 · Heft 2 · page 46

    Das arme Herz liebt noch, wie eine Mutter, im Tyrannen das von ihm Geborene, weint aber auch, indem es sich seinem unpersönlichen Willen fügt. Und es kommt die Stunde, da die Liebe über die Ergebenheit siegt: die Mutter stürzt den Tyrannen,…