Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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in ihm; und nun ist es auf den Weltenthron erhoben, als objektiver Wert." Alles Objektive entsteht in der Persönlichkeit und gehört ursprünglich nur ihr. Welcher Art ein Wert auch sein mag, seine Biographie stellt unwandelbar jene drei Phasen dar, durch die Napoleon hindurchging: erst nichts für die Welt, dann ein Krieger und Führer auf der kriegerischen Laufbahn, endlich ein Herrscher. Und wie Napoleon auf Ajaccio, so ist der Wert nur in der Kindheit frei und wahrhaftig, wenn er unbekanntgeboren in Freiheit spielt, wächst und krank ist, ohne jemandes habsüchtige Blicke auf sich zu ziehen. „Hamlet" hat nur einmal in der ganzen Fülle seiner Wahrheit geblüht - in Shakespeare, die „Sixtinische Madonna" - in Raphael. Dann lockt die Welt den blühenden Wert in ihre Lebenskämpfe hinein. In der Welt hat niemand seine Fülle nötig. Die Welt spürte in dem Wert die urgeborene Kraft, die von seinem Schöpfer in ihn hineingelegt wurde, und will diese Kraft für ihre Bedürfnisse ausnutzen; ihr Verhältnis zu ihm ist Habsucht, und die Habsucht ist immer konkret. Darum wird der Wert in der allgemeinen Benutzung stets differenziert, in spezielle Kräfte, in besondere Bedeutungen zerlegt, in denen seine Fülle und demnach auch sein Wesen nicht enthalten ist. Wie die Eiche den Menschen nicht in ihrem naturhaften Zustand, sondern in Teile zersägt nötig ist, so ist ihnen der Wert nur in der Zerstückelung seines Wesens, als mannigfaltige Nützlichkeit lieb. Endlich wird die Nützlichkeit zum allgemein anerkannten Wert, und man krönt sie zur Herrschaft. Der gekrönte Wert ist kalt und grausam; im Laufe der Jahre versteinert er völlig und wird zum Fetisch. In seinen Zügen ist auch keine Spur mehr von jener freien und offenen Kraft, die einst sein Antlitz beseelte. Er hat so vielen Leidenschaften, hohen und niedrigen, gedient! Der eine wollte Trockenheit, der andere Regen, und er erwies allen einen Gefallen, indem er jedem seine falsche, seine subjektive Wahrheit bestätigte. Jetzt diktiert er eigenmächtig der Welt seine Gesetze, ohne auf persönliche Bitten zu hören .Was lebendig und persönlich war, worin sich das heiße Blut eines Einzelnen im Kreislauf bewegte und pulsierte, das wird zum Idol, das ein ebenso Lebendiges und Persönliches, als es selbst war, da es auf die Welt kam, zum Opfer fordert. Napoleon als Imperator und das Bild auf dem Museumsthrone sind in gleicher Weise Despoten. Außer den konkreten und tastbaren Wert-Fetischen gibt es noch 178