Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 2 · page 93

    kann nun - von Angst befreit - sieh leiten lassen durch das „heiter Geschaffene". 8. Das ist die Lehre. Gegen sie wendet sich unser Zweifel. Ist wirklich der Tod durch solche Einsicht seines Schreckens zu berauben, so daß er hinter uns blei…

  2. 1927-01-01 · Heft 2 · page 94

    warnt Rilke davor, mit dem Zehrenden der Todeselemente sich einzulassen. Aher der Beschwörende „ißt mit den Toten vomMohn"; ihm ist der Totenzauber so selbstverständlich wie der alltäglichste Umgang. Rilke richtet sich gleichsam mit dem Tod…

  3. 1927-01-01 · Heft 2 · page 95

    Dichte ihrer nur dem so geweiteten und gebundenen Menschen aufgetanen Fühlbarkeit. Von hier aus hat er an unscheinbaren, abseitigen, schlimmen Wirklichkeiten die Gnade entdecken können. Und wie man erzählt, hat Rilke im bewußten Erleiden de…

  4. 1927-01-01 · Heft 2 · page 96

    9. Die Seele des Dichters sucht sich in sich selbst zu befestigen. Nicht unbeachtlich ist es, wenn sie sich anspricht als „auf dem ruhenden Berge die Burg46. So kann es kommen, daß der Tod jetzt wieder gesehen wird als „Vergewaltigung" durc…

  5. 1927-01-01 · Heft 2 · page 97

    er hinblickt, und dem Gegenwärtigen, von dem er losstrebt. Dieser Zwischenstellung war Rilke sich in gewisser Weise selbst bewußt. Er empfand sich als enterbt zwischen dem Früheren, das er, obwohl er es als nicht mehr zeitig erkannte, zu be…

  6. 1927-01-01 · Heft 2 · page 98

    ließe Rilkes Dichtertum dieses Verhältnis des Menschen nicht aufkommen. Darum bleibt er nicht bei den säglichen Dingen; sondern sucht nun, während Gott in die Ferne abgedrängt ist, in sagbaren Dingen göttliche Wesenheit. Rilkes Gedichte suc…

  7. 1927-01-01 · Heft 2 · page 99

    in Phantasieumgang verschleiert werden. So kommt es dazu, daß halb göttliche Wesenheit aufgerufen wird, die Lücken der Wirklichkeit zu füllen. In dieser Verfangenheit stehen Rilkes Dichtungen, und das liegt als berechtigter Kern dem zugrund…

  8. 1927-01-01 · Heft 2 · page 100

    MARTIN BUBER CHASSIDISCHE GESCHICHTEN „Ich glaube" Rabbi Noach von Lecliowitz hörte einst von seiner Kammer aus, wie im dranstoßende…

  9. 1927-01-01 · Heft 2 · page 101

    Das Erlernte Als Levi Jizchak von seiner ersten Fahrt zu Rabbi Schmelke von Nikolsburg, die er gegen den Willen seines Schwiegervaters unternommen hatte, zu diesem heimkehrte, herrschte er ihn an: „Nun, was hast du schon bei ihm erlernt?46 …

  10. 1927-01-01 · Heft 2 · page 102

    „Der Sinn des Wortes Tora", sagte der Rabbi, „ist: Es lehrt. Aber du meinst, du könntest selber lernen, - da hat's dich also noch nichts gelehrt." Das Wichtigste Bald nach dem Tod Rabbi Mosches von Kobryn wurde einer seiner Schüler von dem …

  11. 1927-01-01 · Heft 2 · page 103

    ganzen Kraft und sprang in die Hölle. Darüber gab's im Himmel große Unruhe, und bald bekam der Höllenfürst einen Erlaß : Solange der Rabbi von Sassow dort ist, soll das Feuer ruhn. Der Fürst bat den Zaddik, sich nach dem Paradies hinwegzube…

  12. 1927-01-01 · Heft 2 · page 104

    rede in seinem Herzen die Wahrheit. Da bin ich schlüssig geworden, Euch zu besuchen, daß ich vielleicht von Euch erführe, wie man die Wahrheit erlangt." „Die Wahrheit", sagte der Kobryner, „kann man nicht erlangen. Gott schaut einenMenschen…

  13. 1927-01-01 · Heft 2 · page 105

    NIKOLAJ BERDJAJEW DAS ENDE DER RENAISSANCE (Schiuß) Das historische Ende der Renaissance hat die Zersetzung jeglichen Organismus, alles Organischen im Gefolge. In der Renaissance war noch die organische Lehensordnung erhalten gebliehen. Das…

  14. 1927-01-01 · Heft 2 · page 106

    knüpft* Im Organismus setzt das Zentrum den Teilen ein Lebensziel. Jeder Organismus ist eine Hierarchie, Wenn die Teile sich vom Ganzen losreißen und dem Ziel zu dienen aufhören, das im organischen Zentrum gesetzt ist, ordnen sie sich unbem…

  15. 1927-01-01 · Heft 2 · page 107

    die überwunden werden muß. Die Maschine ist von der Renaissance vorbereitet, und die Maschine tötet die Renaissance, sie vernichtet die Schönheit des Lebens, die geboren ist aus dem schöpferischen Uberfluß der menschlichen Kräfte. Die Folge…

  16. 1927-01-01 · Heft 2 · page 108

    sehe Malerei, in welcher die Modeströmungen des Morgen schnell die Strömungen des Heute ablösen, geht in der Zerfleischung des menschlichen Idealbilds noch weiter. Die festen Grenzen aller Naturformen werden durchbrochen, alles kann in alle…

  17. 1927-01-01 · Heft 2 · page 109

    nichtung aller antiken und Renaissanceformen, es kennzeichnet das Abrücken von der Natur, vom Menschen und von Gott. Es ist das Ende der Renaissance, das Ende der humanistischen Epoche. Die moderne Kunst wird von diesem Ende der Renaissance…

  18. 1927-01-01 · Heft 2 · page 110

    wannen in der weiteren Entwicklung des Positivismus nicht die Oberhand, ja, die Positivisten schraken sogar vor ihnen zurück. Aber selbst die positivistischsten Elemente des Positivismus stellen eine Reaktion gegen den Geist der Renaissance…

  19. 1927-01-01 · Heft 2 · page 111

    mittelalterlichen Scholastik kann man eher einen Menschen finden als in der erkenntnistheoretischen Neoscholastik. Der moderne Erkenntnis - kritizismus ist das Produkt einer Epoche geistigen Verfalls. Derselbe Prozeß der Selbstvernichtung d…

  20. 1927-01-01 · Heft 2 · page 112

    Für unsere Epoche sind die sozialistischen Tendenzen bezeichnend. Sie durchsetzen nicht nur das ökonomische und politische Leben sondern auch die ganze moderne Kultur, die ganze moderne Moral; sie kennzeichnen ein besonderes Lebensgefühl. D…