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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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kann nun - von Angst befreit - sieh leiten lassen durch das „heiter Geschaffene". 8. Das ist die Lehre. Gegen sie wendet sich unser Zweifel. Ist wirklich der Tod durch solche Einsicht seines Schreckens zu berauben, so daß er hinter uns bleibt? Wir sehen, daß Rilke sich nicht damit begnügt, den Tod als Ende der irdischen Dinge zu wissen. Die letzte Elegie läßt den Bereich der Toten sichtbar werden als eine Landschaft mit eigenen Sternbildern, mit Gebirgen, Vögeln und Mondlicht. In den Sonetten spricht nicht nur Reinheit und Milde des dem Alltag endgültig Entfremdeten, sondern es zeigt sich in ihnen eine eigenartige Lust am Umgang mit dem Element des Todes. Der Tod bei Rilke wirkt nicht nur die Erschütterung des ichverfangenen Lebens, sondern er ist der Erfüller einer bestimmten Todeslust. „Der Tote trinkt." Nicht unberechtigt hat man Rilkes Stellung zum Tode in Verbindung gebracht mit seiner persönlichen Konstitution. Rilkes Lust zum Tode hat den Einwand gegen sich, daß sie einer Dekadenz seiner Natur entstamme. Mit dieser Feststellung ist nun allerdings nicht abzutun, was Rilke uns über den Tod zu sagen hat. Denn wenn ihm als Träger niedergehenden Lebens der Tod besonders naheliegend ist und vielleicht von unterbewußten Tendenzen seiner Natur angestrebt wurde, so kann noch immer das, was ihm in seiner exponierten Lage aufging, für uns Bedeutung haben. Ist nicht jeder Mensch auch Träger niedergehenden Lebens? und birgt darum Tendenzen in sich, die auf den Tod hindrängen und von denen aus es ihm möglich wird, etwas wie Stillung im Tode zu denken. Es ist eine alte Rede, daß den Glaubenden alle Dinge zum Besten dienen, darum mag es berechtigt sein, am Tode ein Positives hervorzukehren. Dem, der nicht von Ichangst gelenkt oder bestärkt, in Bemühung um Durchsetzung einer bestimmten Meinung von Wirklichkeit verrannt ist, dem der sich entschlossen hat, das Wirkliche aufzunehmen, dem tut sich auf in den für schlimm gehaltenen Wirklichkeiten das Heilsame. Und es ist auch nicht unecht, wenn sich Menschen, die Schweres zu erleiden haben, von dem Gedanken an die ewige Ruhe trösten lassen. Aber Rilke geht weiter. Der Doppelbereich von Tod und Leben soll in die Dichtung eingeführt, der Geschmack des Todes „allem Geschauten"* beigemischt werden. Freiüch nur der Dichter soll das tun. Die andern

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