Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 1 · page 55

    Zwangsläufigkeit des Handelns und Denkens, hie Unwirksamkeit des seelischen Gefühls. In dieser Abstraktion - auf deutsch: Verödung! - des Glaubens und der Arbeit von ihrem Inhalt. Nicht die Neuzeit hat geloo gen, sondern nur die Folgen dies…

  2. 1927-01-01 · Heft 1 · page 56

    sein verbleibt, daß diese Füllung eine Leere bleibt, diese Absolutierung des Rationalen selbst rational ein Trug ist. Denn als wirklich absolut, d. h. wirksam sie vom Innersten bis zum Äußerlichsten vollständig erfüllend, kannte die Seele e…

  3. 1927-01-01 · Heft 1 · page 57

    damit ab, als brächte er es damit eher zu Kraft, damit es bald wieder ihn tragen könnte. Und trägt sich damit tot - seelentot! Denn bricht er selbst nicht nieder, sondern erstarkt unter der Arbeit, so wird er durch sie auch um so stärker Ti…

  4. 1927-01-01 · Heft 1 · page 58

    Arbeit. Denn weil die Liebe die Einbuße an inhaltlichem Glauben an die Arbeit nicht heilen kann, kann sie nur den Verlust durch einen Gewinn wettmachen wollen und treibt neben der dürren gebotenen Arbeit eine andere, eine neue Art Arbeit he…

  5. 1927-01-01 · Heft 1 · page 59

    mußte, zeigte auch der letzten den Weg. Ich sage: die erste: denn die Antike kennt wohl schwelgerischen, aber nicht überflüssigen Luxus; keinen, der auch unterbleiben könnte, weil ihn bloß ein evangelischer Rat, nicht ein Glaubensbefehl ver…

  6. 1927-01-01 · Heft 1 · page 60

    Richtung verkehrt: zielt herunter statt herauf, statt auf Steigerung der Menschheit auf das Glück des Einzelmenschen. Das will nicht nur sagen, daß sie egoistisch-individualistisch interessiert wird und den großen Gesichtskreis verliert; da…

  7. 1927-01-01 · Heft 1 · page 61

    Zeit - dieses blasse letzte Nachbild einer Glaubens-Anschauung?! denn der Glaube hat erst den Kosmos erschaut. Aber nicht nur erschaut. Nur freilich heut ist der Glaube meist auf eine Glaubens-Anschauung gesunken. Und was wirkt diese? Tause…

  8. 1927-01-01 · Heft 1 · page 62

    an ihrer Masse tut ihnen den Dienst, solang es von ihnen die Umsetzung der noch aus der Zeit der Menschheits-Organisation herüberragenden Strebeformen - der ständischen, der plutokratischen, aller der Formen, die, gleichviel in welcher Enta…

  9. 1927-01-01 · Heft 1 · page 63

    Heiden wirkte. Aber dem Christentum kommt es auf mehr Liebesarbeit an: sonst wären es ja nicht Extrawerke. Sonst gehörten sie zu denjenigen Werken, die schon früher um des Glaubens willen getan waren - denn auch seine Liebeswerke hatte das …

  10. 1927-01-01 · Heft 1 · page 64

    hin abgeschoben, nahm seine Rache und zog die Seele dahin nach. Will sagen: die Beeiferung der Kirche, sich der Weltarbeit zu widmen, entsprach einem Seelenzug und widersprach einem andern. Ihren Glaubensbefehl, in dieser Welt zu arbeiten, …

  11. 1927-01-01 · Heft 1 · page 65

    benswillig selbst gegen einen so armen Arbeits glauben wie den des nackten Befehls. Völker enttäuschter Glaubens, die sich noch hingeben konnten. Aber sie glauben verschieden im Osten und Westen. Zum Unglück des Ostens traten solche neu-emp…

  12. 1927-01-01 · Heft 1 · page 66

    sei es von Seele und Welt, sei es von Liebe und Glaube; Hingabe aber will sich völlig hingeben oder versagt sich. St. Franziskus warf schon die Arbeit beiseit, nicht aus Müdigkeit, nicht um auszuruhn, sondern um aus der Seele zu leben. In d…

  13. 1927-01-01 · Heft 1 · page 67

    die ihm die Hingabe des Glaubensgehorsams geschafft. Die Verzweiflung brach aus. In der Seele der zwei großen Kirchenzerbrecher, die je eine der beiden möglichen Lösungen vertreten, je einer der nördlichen Nationen angehörig, die ungeschwäc…

  14. 1927-01-01 · Heft 1 · page 68

    tod. Calvins Seele zuerst. Welche Speise konnte er in dies Vacuum schütten? Keine eigene Seelenbewegung; er war in der Glaubensruhe bei Gott. Also nur etwas Unseelisches. Den Arbeitsdrang, der neben der Arbeitsruhe lag. Und den er, weil er …

  15. 1927-01-01 · Heft 1 · page 69

    dieser unmenschlichen Formatierung der Arbeit: diejenige, von der Sie, geehrter Herr, bei Ihrer Betrachtung der Neuzeit ausgingen: die Vermehrung der Bevölkerung. Sie ist eine Vermehrung der Arbeitskräfte zur Vermehrung der Arbeit - ein Pro…

  16. 1927-01-01 · Heft 1 · page 70

    darf, wie ich zugegeben habe, daß die Liebe trotz aller Einwände sie zu schließen suchen muß. Ich aber habe als Glaubensaufgabe, die Heilung auf der Oberfläche, die einstweilen statthaben muß, nicht den Eiterherd in der Tiefe vergessen zu l…

  17. 1927-01-01 · Heft 1 · page 71

    WALTER BENJAMIN MOSKAU 1. Schneller als Moskau selber lernt man Berlin von Moskau aus sehen. Für einen, der aus Rußland heimkehrt, ist …

  18. 1927-01-01 · Heft 1 · page 72

    auf der Estrade seines Schlosses wandelt. Fürstlich vereinsamt, fürstlich verödet sind die Berliner Straßen. Nicht nur im Westen. In Moskau gibt es drei, vier Stellen, an denen ohne jene Strategie des Drängens und Sichwindens vorwärts zu ge…

  19. 1927-01-01 · Heft 1 · page 73

    wirklich Chaussee und weit und breit nichts zu sehen als Ebene. Ehe ich Moskaus wirkliche Landschaft entdeckt, seinen wirklichen Fluß gesehen, seine wirkliehen Höhen gefunden habe, ist jeder Straßendamm schon ein umstrittener Fluß, jede Hau…

  20. 1927-01-01 · Heft 1 · page 74

    …renschub ist eingetroffen. Ernsthafte, nüchterne Bedarfsartikel werden im Straßenhandel verwegen. Ein Korbverkäufer mit allerhand Ware, bunter wie man sie überall auf Capri kaufen kann, doppelten Henkelkörben mit quadratisch strengen Mustern, trägt …