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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
Belongs to
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Arbeit. Denn weil die Liebe die Einbuße an inhaltlichem Glauben an die Arbeit nicht heilen kann, kann sie nur den Verlust durch einen Gewinn wettmachen wollen und treibt neben der dürren gebotenen Arbeit eine andere, eine neue Art Arbeit heraus, mit der sie die Welt zu bereichern vermeint, während sie die Verarmung der alten Arbeit dadurch noch verschärft: treibt heraus die Neben-, die Surrogat-Arbeit der überschüssigen, d. i. überflüssigen, Werke. Erst recht unmenschlich wird so ein Schein werk getan: Wucherung soll für Schrumpfung bezahlen, Atrophie des Glaubenstriebs vergessen werden über Hypertrophie des Liebestriebs, zu der man die Seele anreizt. Uberflüssige Arbeit . . . ich bestehe auf dem Wort, so sehr es der kirchlichen Einbildung von der Bedeutsamkeit ihrer Liebe und der humanitären Sentimentalität, die aus ihr profaniert ist, widersteht, . . . die christliche Liebe hat mit sich diese Qualgeburt in die Welt gesetzt! Arbeit, die keinem anderen Bedürfnis entsprungen, als die Leerheit der nötigen Arbeit zu verdecken! Damals zunächst deren äußerliche Unfruchtbarkeit; weil die allgemeine Arbeit notleidet, entsteht eine besondere Arbeit gegen die Not, - deren Besonderheit ist, nicht die Not an der Wurzel zu fassen, an der Glaubensarmut der Arbeit, sondern der Frucht dieser Verarmung, der materiellen Verarmung, Hilfe bringen zu wollen. Nämlich unter dem nackten Glaubensbefehl wird nur da Mindeste an Arbeit geleistet: der Güterüberschuß des antiken Fleißes, der schon unter der Arbeitsermüdung hinschwand, schwindet völlig in der Verpowerung, die noch die heutige Levante beherrscht. Und der die christliche Liebesarbeit abhelfen wollte, die doch im Grund eine Arbeits-Vergeudung. Denn gerade im innerlichen Sinn sind die Liebeswerke überflüssige Luxusarbeit: ein Seelenluxus der Zärtlichkeit, der seiner Natur nach unfähig ist, der Seelenroheit zu steuern, der die glaubensarme Arbeit damals auch technisch anheimfällt (man denke z. B. an die Roheit der damaligen Kunst!), und der bei dem Versuche selber verroht: gleichwie das Handwerk, verklobigt sich das Herzwerk, verklobigt sich die Christenhebe in Wohltätigkeit. Ja, lassen Sie uns den Ausblick wagen: unsere heutige so ganz anders scheinende Luxus-Arbeit, unsere Überschwemmung mit Protzerei und Talmierzeugnis, die ganze Überflüssigkeit der Fabrikation von Uberflüssigem hängt mit der christlichen Liebes-Arbeit eng zusammen: die erste Luxusarbeit brach für die letzte schon Bresche, und daß schon die erste verrohen 58

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