Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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benswillig selbst gegen einen so armen Arbeits glauben wie den des nackten Befehls. Völker enttäuschter Glaubens, die sich noch hingeben konnten. Aber sie glauben verschieden im Osten und Westen. Zum Unglück des Ostens traten solche neu-empfänglichen Völker stark und lang genug auf erst reichlich drei Jahrhunderte, nachdem das Christentum sich der Welt zugewandt. Und traten auf mit noch arbeitsschwächerer Religion. Der Islam, die „Ergebung44, steht in Ruhseligkeit zwischen persischem Manichäismus und oströmischem Christentum. Ebendeshalb vermochte er, des Manichäismus Herr zu werden - und erst recht der verbrauchten Götterdienste, die der Manichäismus unterhöhlt hatte - und dennoch seine Araber, die vor Betätigung brannten, zur Kriegsarbeit gegen Perser und Oströmer stark zu machen, ja für eine kurze, glänzende Zeit auch zu neuer Kulturarbeit. Während deren aber schon die Kriegsarbeitsamkeit hinsiecht. Sie, aber nur sie, belebt sich nochmals in dem vom äußersten Ostrand in den Arbeitsdrang dieser Religion eintretenden O P zweiten Neu-Volk, derOsmanen, und wirft das christliche Ostrom vollends über den Haufen, weil dessen glaubensmüdes Volk durch die christlichen Hebel neuen Lebenssaft der Arbeitsamkeit sich nicht hatte einpumpen können und nun ganz verdorrt war. Nur ein drittes Volk, die Ostslawen, die Russen, nimmt mit junger Kraft das anatolische Christentum selbst auf und die griechische Kirche flüchtet in seinen nördlichen Schoß. Aber selbst lang geduckt unter islamitische Herrscher und nicht selbst zur Kirche gekommen, sondern die Kirche kam zu ihm, hat dies Volk so lang nur geringe Arbeitslust bezeigt, bis es berührt und angesteckt w ard \ ou den Arbeits Völkern des Westens. Im Westen nämlich setzten die Germanen sieh ins Reich fast gleichzeitig mit der Glaubensumsetzung der Kirche (und wo sie es nicht taten oder von den östlichen Christen ausgerottet wurden, wie in .Nonlafrika und Südspanien, siegte der arabische Islam) und machten in allen Treuen mit dem Arbeitsglauben Ernst. Selbst die Klöster der Besrhaulichen wurden hier zu Arbeitsstätten. Eine junge gläubige Kulturarbeit erwuchs aunaivem Gehorsam an die Gebote der Kirche, u:n deren Erfüllung die Seele immer eifriger rang. Eben diese hingebende Arbeit führte zum Ende des Arbeitsglaubens. Denn bei dieser Hingabe an den Gott der Kirche konnten Seelen- und Leibes-Arbeit sich nicht gleichmäßig ausströmen .m einem Guß, sondern stießen bald an die Wegscheide des Dualismus, 65