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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 1 · page 75

    daß er von seinen Lettern zwei verkaufte und einem Kunden sie als Initialen in den Galoschen befestigte. Dann die breiten Schlitten mit den drei Fächern für Cacaouettes, Haselnüsse und Semitsehky (Sonnenblumenkerne, die nun nach einer Verfü…

  2. 1927-01-01 · Heft 1 · page 76

    wohlgebildete Hand. Rechts und links breiten die beiden andern in der Gebärde des Segnens sich aus. Die Dreiheit dieser Hände wird für ein Symbol der heiligen Dreifaltigkeit erachtet. Es gab ein anderes Andachtsbild der Gottesmutter, das si…

  3. 1927-01-01 · Heft 1 · page 77

    vierzig, greift aber eine Leiterin es richtig an, so können nach zwei Wochen hunderte von Kindern den Platz erfüllen. Daß hergebrachte pädagogische Methoden mit diesen Kindermassen nie zu Rande kämen, versteht sich. Um überhaupt zu ihnen vo…

  4. 1927-01-01 · Heft 1 · page 78

    rühmte Tretjakoff-Galerie, in der man erst begreift, was Genremalerei bedeutet und wie gemäß sie gerade dem Russen ist. Der Proletarier findet hier Sujets aus der Geschichte seiner Bewegung: „Ein Konspirator von Gendarmen überrascht46, „Rüc…

  5. 1927-01-01 · Heft 1 · page 79

    großen Kunst mit hundert Schematismen und Varianten entwickelt. Sie kontrollieren an belebten Ecken die Kundschaft eines Pastetenbäckers, gehen den Käufer an und begleiten ihn winselnd und bittend, bis er ein Stück von seinem heißen Kuchen …

  6. 1927-01-01 · Heft 1 · page 80

    Versuchsanordnung - man nennt sie hier „Remonte" - betrifft nicht Moskau allein, sie ist russisch. Es steckt in dieser herrschenden Passion ebensoviel naiver Wille zum Guten wie uferlose Neugier und Verspieltheit. Weniges bestimmt heute Ruß…

  7. 1927-01-01 · Heft 1 · page 81

    sichtspunkt unnachsichtlich unterordnet, kaum verständlich. Aber auch für die Gegenseite ist der Vorfall bezeichnend. Es sind ja nicht nur Militärs des Zarenreiches, die, wie bekannt, sich in den Dienst der Boischewisten stellten. Auch Inte…

  8. 1927-01-01 · Heft 1 · page 82

    Möbel in den kahlen Zimmern umgestellt - das ist der einzige Luxus, den man mit ihnen sich gestattet, zugleich ein radikales Mittel, die „Gemütlichkeit" samt der Melancholie, mit der sie bezahlt wird, aus dem Haus zu vertreiben. Darinnen ha…

  9. 1927-01-01 · Heft 1 · page 83

    haben oft keine eigene Stätte zur Verfügung, tagen in Ecken lärmender Redaktionen, am abgeräumten Tisch in einer Kantine. Es gibt eine Art natürlicher Auslese und einen Kampf ums Dasein unter diesen Veranstaltungen. Die Gesellschaft entwirf…

  10. 1927-01-01 · Heft 1 · page 84

    dann tun wir es doch. Wann wollen Sie denn geweckt werdei? Um sieben? Dann wollen wir das aufschreiben. Sie sehen, den Zettel tue ich dahin, da wird er ihn finden. Natürlich, wenn er ihn nicht findet, dann weckt er Sie nicht. Aber meistens …

  11. 1927-01-01 · Heft 1 · page 85

    sack für den Gaul, eine Decke für den Benutzer - und das ist alles. Mehr als zwei haben nicht Platz auf der schmalen Bank, und da es keine Lehne gibt (wenn man nicht eine niedrige Kante so nennen will) muß man bei plötzlichen Kurven gut bal…

  12. 1927-01-01 · Heft 1 · page 86

    sich rötet und golden sich überzieht, himmelblau anläuft und schwärzlich erstarrt. „Rot" und „schön" ist russisch ein Wort. Gewiß sind die glühenden Scheiter im Ofen die zauberhafteste Verwandlung des russischen Waldes. Nirgends scheint der…

  13. 1927-01-01 · Heft 1 · page 87

    der Verkäufer durch die Straßen führt. Auch nicht die gläsernen Kästchen voll Blumen, zwischen denen das Haupt eines Heiligen durchblickt. Und nicht das, was der Frost hier eingibt, die bäurischen Tücher, auf denen die Muster, die mit blaue…

  14. 1927-01-01 · Heft 1 · page 88

    Wohnung - sondern einzig von dem Verhältnis zur Partei bestimmt wird. Maßgeblich ist es auch für alle die, die nicht unmittelbar ihr angehören. Auch ihnen stehen Arbeitsfelder offen, sofern sie nicht demonstrativ sich dem Regime versagen. A…

  15. 1927-01-01 · Heft 1 · page 89

    nur ein lächerliches, in dein die Disziplin und Überlegenheit des Gegners übersehen wird. In solche schiefe Optik auf den Bürger spielt ein nationalistisches Moment hinein. Rußland war das Besitztum des Zaren. (Ja, wer die unabsehbar gestap…

  16. 1927-01-01 · Heft 1 · page 90

    …ch eine Kurbel. Wenn man an dieser Kurbel dreht, sieht man folgendes: eine nach der andern leuchtet an allen Orten, die Lenin im Lauf seines Lebens passiert hat, eine kleine elektrische Lampe auf. In Simbirsk, wo er geboren ist, in Kasan, Peters…

  17. 1927-01-01 · Heft 1 · page 91

    Ideenwelt des tiers etat durchsetzt und der geistige Einanzipationskampf vor dem politischen durchgefochten. Im heutigen Rußland liegt das ganz anders. Für Millionen und Abermillionen von Analphabeten sollen die Fundamente einer allgemeinen…

  18. 1927-01-01 · Heft 1 · page 92

    vermitteln. Unzweifelhaft weiß man in Rußland vom Ausland weit weniger als man im Ausland (etwa mit Ausnahme der romanischen Länder) von Rußland weiß. Wenn eine große russische Kapazität im gleichen Atem Proust und Bronnen als Autoren nennt…

  19. 1927-01-01 · Heft 1 · page 93

    15. Hin und wieder stößt man auf Trambahnwagen, die ringsherum mit Bildern von Betrieben, von Massenmeetings, roten Regimentern, kommunistischen Agitatoren bemalt sind. Das sind Geschenke, die von der Belegschaft irgendeiner Fabrik dem Mosk…

  20. 1927-01-01 · Heft 1 · page 94

    durchfahren haben, um aufzufangen, wie sich dieser Kampf durch die Etagen fortsetzt, um endlich auf Dächern in sein entscheidendes Stadium zu treten. Bis dort hinauf halten allein die stärksten, jüngsten Parolen und Wahrzeichen durch. Erst …