Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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hin abgeschoben, nahm seine Rache und zog die Seele dahin nach. Will sagen: die Beeiferung der Kirche, sich der Weltarbeit zu widmen, entsprach einem Seelenzug und widersprach einem andern. Ihren Glaubensbefehl, in dieser Welt zu arbeiten, kriegte die Kirche über die Lippen nur bei der Verheißung des Lohns seliger Ruhe dafür in jener Welt. Was dem antiken Glauben Nebenfolge gewesen, wurde der Glaubensdrehung zum Arbeitsziel. Zu der überflüssigen Arbeit hat die Kirche damit die bloß interimistische, zeithinbringende, gebracht: die Arbeit, die nach ihrer treffenden Bemerkung man nicht tut, sondern erledigt. Ich meine nicht das: daß überflüssige Arbeit selber die Zeit nur hinbringt. Nein, die überflüssige Liebesarbeit hat die andere, die christliche Glaubensarbeit, die nötige, befohlene, zur nur zeitweiligen gemacht: zu einer, die man nicht glaubt, deren Ende man herbeiwünscht. Die jenseitige Ruhe durfte nämlich nicht schon folgen auf das natürliche Erdendasein mit seiner Last und Plage - wo wäre dann der Reiz zu stärkerer Arbeitsamkeit geblieben? - sondern erst ein bestimmtes Maß außergewöhnlicher Arbeit durfte Hoffnung geben auf die selige Ruhe im Himmelreich; der Christ tut mehr und anderes, als zur Selbsterhaltung notwendig, damit sein Seelchen es später gut hat; man arbeitet, um Rentner zu sein - Himmelsrentner damals! - Liebesarbeit ohne Liebe. Man arbeitet ameisenhaft im Sommer des Mißvergnügens, um im Winterschlaf jeder für sich warm zu ruhn. Die Liebe verbindet nicht mehr, die Liebe trennt. Arbeit wird die formale einstweilige Menschenverbindung, die auf seelische Selbstzurückziehung herausläuft. Ich habe dies sich selbst verschlingende Ungeheuer eines sich abspenstigen Glaubens, der sich mit seinen eigenen Konsequenzen aufhebt und nur diesen Formalprozeß des Lebens beläßt, an dem Wendepunkt schon in voller Größe gezeichnet, wo es freilich erst anfing, seinen Widersinn auszuwirken. Denn, wie ich schon sagte, diese Auswirkung nachher läuft logisch ihren Gang und bringt nichts Neues. Und ich hätte hier nichts hinzuzufügen, wäre nicht ein Äußeres in diese Entwicklung getreten, was sie scheinbar abgelenkt hat, in Wahrheit nur aufgehalten, - wären nicht neue Völker außerhalb des bisherigen Kulturkreises der Kultur begierig auf den Schauplatz getreten. Begierig nicht nur, die Kulturgüter zu räubern, sondern willige Schüler der gebotenen Kultur-Arbeit, glau- 64