Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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dieser unmenschlichen Formatierung der Arbeit: diejenige, von der Sie, geehrter Herr, bei Ihrer Betrachtung der Neuzeit ausgingen: die Vermehrung der Bevölkerung. Sie ist eine Vermehrung der Arbeitskräfte zur Vermehrung der Arbeit - ein Prozeß des sieh immer vermehrenden Umschwungs des Rades. Unterstützt vom Eigennutz, der unter sieh unterbietenden Arbeitskräften aussuchen will; aber die Hauptursaehe ist nicht dies, sondern daß die Arbeit beliebig vermehrbar ist, seitdem sie leere Arbeit ist: also vermehrt sie sich und ihre menschlichen Objekte. Ich bin am Ende meiner Darlegung der Arbeitsglaubens-Geschichte. Sie will natürlich nicht Sie überzeugen: sie will mich bezeugen in einer Weise, die Ihnen einen Eingang in mich erschließt. Aber vielleicht kann ich unser Zusammenkommen noch dadurch erleichtern, daß ich zu meiner historischen Metapher die naturwissenschaftliche von Ihnen heranziehe, deren ich schon im Anfang gedachte: jenes Bildes von dem Wachstum des Geistes. Wie die Summierung zweier Geistesinhalte in einem Menschen erfolge, erklärten Sie nicht zu wissen. Nur den Vorgang der Summierung mehrerer Menschen zu einer geistigen Gemeinschaft. Aber ist, gemessen nach meinem historischen Bild, nicht das Erste so wie dieses Zweite? Nämlich auch nicht eine Summierung in einem Einzelnen, sondern zwischen zwein; nur daß der Eine nicht Mensch, sondern der Gott ist. Geist entsteht und vermehrt sich im Menschen durch Gottglauben - und stirbt mit ihm. Ja die Parallele greift noch weiter. Die Liebe, die Sie fanden als die gemeinschaft - stiftende Summierung, fanden Sie nicht in der ursprünglichen Gleichrichtung, sondern indem Streben nach Gleichrichtung - und ebenso steht es im Verhältnis von Mensch zu Gott: ich fand den Gottglauben als fruchtbar, als den Menschen geistig bereichernd nur auch in dem Streben in der Richtung auf Gott. Und so darf ich sagen : Glauben und Liebe sind innerlich eins: jedes eine Zutreibung eines Ich zu einem Du; nur daß der Glaube einem transzendenten Du zustrebt. Sollten wir hier für das Verständnis unserer Worte und Schriften den Anschlußpunkt gefunden haben, so wird auch unser tätiges Leben sich hier zusammenfinden. Sie haben eine Wunde zu schließen und ich dieselbe Wunde offen zu halten; aber vielleicht geben Sie zu, daß Ihre Liebe die Wunde unserer Zeit, von der nicht allein Ihr Buch und dieser Brief, sondern unser Leben handelt und für die es handelt, nicht zu fest schließen 69