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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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damit ab, als brächte er es damit eher zu Kraft, damit es bald wieder ihn tragen könnte. Und trägt sich damit tot - seelentot! Denn bricht er selbst nicht nieder, sondern erstarkt unter der Arbeit, so wird er durch sie auch um so stärker Tier; auch geistig Arbeitstier. Bis das Pferd ausgeruht ist, hat er das Reiten verlernt und das Pferd das Gerittenwerden; erwehrt es sich dann des Zwangs und sträubt sich, um wieder zu freier Bewegung zu kommen, so muß der Träger mißverstehn, es wolle von ihm frei werden, ihn fliehn, und strengt sich doppelt an, es festzuhalten. Ja käme er selbst wieder als Reiter obenauf - der Sozialismus hofft es! -: er ist heruntergekommen; er ist ein roherer Mensch, ein roherer Reiter; er könnte jetzt auch gehn; er hat nicht mehr das innere Recht, sich dem Pferd aufzuladen, da er sich keine höhere Arbeit mehr aufladen will, sondern nur von niederer Arbeit sich entlädt; nicht reiten, nur noch getragen werden will er. Auch diese Verträgung ist Seelentod. Aber nur seinen Halbglauben klage der Mensch an! Denn nicht daß er nicht seinem Tier gefolgt ist - seinem tierischen Urtrieb des unbedachten Instinkts nicht daß er vielmehr es zum Zweck sich gezähmt, hat ihm die Unterjochung zum Zwecktier ein* getragen, sondern einzig daß der Geistmensch nicht bei sich selber gestanden; daß er in der entscheidenden Stunde keines von beiden vermocht, weder zu reiten noch zu ruhen, sondern eine Furcht in seine Seele bekam vor dem Aussetzen der Arbeit, das ihm doch notwendig war; daß er den wartenden Glauben, der auf den jagenden folgte, ungläubig versetzte mit seinem Gegentrieb. Dieser Abstrich von der Ganzheit des Glaubens, der hat unsere Welt in die Zerzweiung halbiert, die sie als unmenschlich zu empfinden beginnt: in die seelische Tatlosigkeit seelenloser Tat. Auch das Christentum des halben Abfalls von Gott konnte nicht anders als die Unmenschlichkeit fühlen: daß die bloße Zweckarbeit, die sein Glaubensbefehl herausschlug, dem Göttlichen der Menschenarbeit ins Gesicht schlug. Es suchte die Schuld des Glaubensmangels dadurch zu ersetzen, daß es die Liebe den Zweck setzen hieß; fides caritate formata wird das Stichwort. Entsprechend seiner Umkehrung seines Verhältnisses zur Welt, indem es für das Handeln die metaphysische Religion in eine ethische entartet, den Seelendrang in eine Arbeitspflicht, kehrt es um auch das Verhältnis von Glauben und Liebe; vor dem Abfall hatte es den Glauben der Liebe vorgespannt. Mit dem Zusatz der Liebe zum Arbeits-Halbglauben halbiert und zerzweit aber das Christentum auch die 57

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