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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
Belongs to
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Zwangsläufigkeit des Handelns und Denkens, hie Unwirksamkeit des seelischen Gefühls. In dieser Abstraktion - auf deutsch: Verödung! - des Glaubens und der Arbeit von ihrem Inhalt. Nicht die Neuzeit hat geloo gen, sondern nur die Folgen dieser Lüge wahr ausgerollt. Und aufs stärkste betone ich: das Lügnerische hegt ausschließlich in einem Fehl, nicht in einem Zusatz. Nicht im Zweck-Zusatz. Die Verzweckung des Tat- und Denklebens ist erst Folge des Glaubensmangels; freilich ihre erste und alsbald sich auswirkende. Leeren Glaubensbefehl zu leerem Glaubensgehorsam konnte nur noch verständige Zwecksetzung mit Inhalt versehn. Das Heuchel-Kompromiß, das Ja mit Nein balanciert, das im Namen des menschen-arbeit-verneinenden Gottes die Menschen-Arbeit neu anbefiehlt, war selbst zweckhaft erdacht, und konnte auch im Einzelnen, was je an Arbeit zu tun sei, anders als durch zweckhaftes Denken nicht finden. Aber nur daß es nichts anderes, nicht daß es dieses fand, nur jene Leerheit, nicht diese Erfüllung ist der Sitz unseres Übels. Zweckarbeit ist ja dem Menschen nichts Neues. Gerade der Mensch der freien Hingabe hatte sie betrieben. Denn er erst war voll eines Geistlebens geworden, daß ihn Ziele finden üeß über das Tiermenschliche hinaus; ohne doch ihn dem tierischen Triebleben, das im Kreis der Selbstbeziehung verläuft, durchaus zu entheben: zielstrebend im Eigendienst gewinnt er das Zweckhafte. Aber dieser Begriff - und die Begrifflichkeit überhaupt, die sich an diesen Fund anschließt - regiert ihn nicht; dient! Denn das Zweckhafte steht nicht allein. Abzweckung auf sich und Abzielung auf Gott dienen sich in der Antike gegenseitig. Im tiefsten Sinn wie im äußerlichsten Tun. Nur wer Gott kennt, kennt auch den Gegensatz: sich! Der eigensüchtige Nützlichkeitszug der Antike - er war bekanntlich sehr stark! - wird getragen, hochgetragen, von ihrem Frömmigkeits-Auftrieb. Wer reich werden will, will Opfer ausrichten, den Vaterboden des Vaterlands schmücken, will selbst in dem auf die eigene Person Verwendeten nicht Privatmann, sondern ein Herr sein: eine gott-ähnlichere Person. Die Antike hat den Lebens-Zusammenhang von Rationalem und Irrationalem gewahrt. Das Christentum ihn zerrissen. Da es das Zielstreben auf Gott unterdrückt, drückt es das Zweckstreben der Eigensucht zum Absoluten herauf: in den Hohlraum seiner Glaubensleere strömt die Flut dessen, was bleibt: des Verständigen, Nützlichen, - mit Zwecksetzungen, die fortan seelisch ziellos. Wobei der Seele das Bewußt- 55

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