Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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sei es von Seele und Welt, sei es von Liebe und Glaube; Hingabe aber will sich völlig hingeben oder versagt sich. St. Franziskus warf schon die Arbeit beiseit, nicht aus Müdigkeit, nicht um auszuruhn, sondern um aus der Seele zu leben. In demselben Maß, in dem er sich des Äußeren entlud, des bloß Gebotenen, bloß zweckhaft Gemeinten, grub sich auf der anderen Seite Papsttum, Kaisertum, Fürstentum, Bürgertum in die bloße Zweckarbeit herein. Dennoch hielt die Extreme ein Band beieinander: die Kirche. Dem äußeren Anschein nach mit dem unveränderten Band: des Glaubensgehorsams und der empfohlenen Liebeswerke. Auch St. Franz tut Liebesarbeit an den Seelen. Auch die Pfeffersäcke überbieten sich an kirchlichen Liebeswerken. Aber das Band ist sogar inniger geworden, seelenvoller. Der nackte Kirchengehorsam wird von diesen eifrigen Seelen zu einem lebendigen Einheitsgefühl hochgeglaubt und die Summe der Liebeswerke und aller Werke der Hingabe vereinheitlicht und hochgeglaubt in ein Werk der Welt-Göttlichung. Die ringende Hingabe der Seelen an die Erfüllung der Gebote und Räte der Kirche mußte diesen Traum der Mystik gebären: das zerstreute Tun sei all in eines verfaßt im Aufstreben der Seelen, um mit Gott eins zu werden. Aber die Seele konnte das Kind, das sie gebar, nicht ernähren: der Traum der Mystik mußte brechen an den kirchlichen Glaubenslehren; die Hingabe und der Gehorsam widerstanden sich. Was war denn die geglaubte Einheit mit Gott? Ruhe! Wie sollten also Werke die Ruhe verschaffen! Und wenn man sie noch so sehr verseelischte. Wie man denn tat, und übersetzte die Liebes werke in solche, die einer Seele Ruhe brächten, und brachte Heber Seelenmessen, als Hilfe leiblicher Armut. Nicht nur fiel das Tatleben dann um so sündiger aus dem Seelenleben heraus, sondern Sünde wurde überhaupt ein Gespenst in der Seele. Die da fühlte, daß ihre Tat irre ging. Die allem ihrem Tun zu mißtrauen anfing, weil sie sich unruhig fühlte, ihre innere Ruhe mit Arbeit, mit Werken beschaffen zu sollen, über die sie sie verlor. Die als Sünde fürchten lernte nicht nur was die natürliche Sittlichkeit einer Kulturstufe scheut, sondern überhaupt ihre Kulturstufe, ihre Kulturarbeit, die Hingabe an die Weltarbeit, die Hingabe an Arbeit. Der sie sich doch weder entschlagen konnte noch wollte. Ruhe ohne Werke - Werke ohne Ruhe — die Seele wußte nicht wo ein und wo aus. Und das Band der Kirchenautorität, das durch das Geschäftstreiben der Kirche schon geschwächt, verlor alle die Stärkung,, 66