Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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an ihrer Masse tut ihnen den Dienst, solang es von ihnen die Umsetzung der noch aus der Zeit der Menschheits-Organisation herüberragenden Strebeformen - der ständischen, der plutokratischen, aller der Formen, die, gleichviel in welcher Entartung, noch eine Organisation der Menschenrassen in Strebigkeit verraten, also in die Ungleichheit von Gliedern, die bald mehr tragend, bald mehr belastend sein müssen - in gleich atomisierten Individuen erhofft. Verstehn wir unter liberte wie billig individualite, so fordert liberte notwendig egalite. Haben aber diese Zwischengebilde einen Teil dieser Egalisierung geleistet, so schlägt der Umschwung ihrer Funktion gegen sie selber zurück: sie werden nun um so mehr von Teilwiderständen erschüttert, die ihnen zur Pflicht machen, sich auf ihre Urfunktion der Ungleichmachung, des Aufbaus einer Herrschaft über Dienenden, zu besinnen, denn der den Überragenden zuletzt angeglichene Teil macht sich geltend gegen die noch nicht angeglichenen als um so mehr überragend und verlangt, wie heute die Bourgeoisie, vom Staat statt weiterer Egalisierung Privilegierung - womit sie den Staat durch seinen Selbstwiderspruch zerreibt. Aber auch der Sozialismus, der darum dem Staat den rechten Willen zur Gleichmachung nicht zutraut und sie lediglich von der Gesellschaft erwartet, entrinnt demselben Selbstwiderspruch nicht: denn auch er kann nur nacheinander die Schichten gleichmachen; wo ist die Grenze gegen die Gleichberechtigung der Frauen, der Kinder, der Farbigen, ja der Tiere? Auch er wird an Willkür-Grenzen gedrängt, halt zu machen; aber er kann es gewiß nicht: bis nicht der ganze Menschheits-Aufbau abgetragen ist herunter wieder auf den tiermenschlichen Stand, kann der Kommunismus mit der Egalisierung nicht einhalten, die mit der Aufhebung des Dienste-Systems des Gott-Glaubens begann. Liberte, egalite, fraternite - auch die brüderliche Liebe wird in den Strudel gerissen. Dieselbe Liebe, die berufen wrard, der Eigensucht des Einzelnen zu steuern und der Arbeit Seele einzuhauchen, tötet vollends die Seele aller Arbeit und treibt den Eigennutz ins Innerste. Wem soll noch Liebesarbeit gelten außer Individuen? Dann geht sie aber auch von Individuen aus; kein Gemeingedanke regiert sie. Die Liebesarbeiten, die Barmherzigkeitswerke, selber sind ebenso zerstreut und zerteilt, wie das aufbauliche Werk aller Einzelarbeiten innerlich vereinte. Sie würden nur gelegentlich, zufällig, sich finden. Wie die Menschenliebe auch unter den 62