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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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sein verbleibt, daß diese Füllung eine Leere bleibt, diese Absolutierung des Rationalen selbst rational ein Trug ist. Denn als wirklich absolut, d. h. wirksam sie vom Innersten bis zum Äußerlichsten vollständig erfüllend, kannte die Seele eine Relation: das Gott-Mensch-Verhältnis. Der Ersatz dieser Beziehung durch Beziehungslosigkeit ergibt nur ein steriles, negatives Erfülltsein, eine sozusagen geköpfte Relation, der die eine ihrer Größen abhanden gekommen ist. Und zwar die ihr als bekannt geltende Größe: Gott - an der die sich unbekannte, der Mensch, als die ihre Bestimmung suchte, sich ihr Maß nahm. Mit Hilfe der Nebengleichung des Zwecks. Gott verloren für das Streben, war Buddha konsequent, auch sich und seine Welt aufzugeben; war der Christus am Kreuz wenigstens konsequenter als seine Kirche, die ihren Gott verleugnete, um nicht sich aufzugeben; deren Mensch seinem Streben fortan selber das Maß setzen mußte: ein Schiff, das sich steuert nach einem Kompaß, der sich richtet nach dem Eisen des Schiffs! Dies in sich sinnlose Streben ist es, das mit der Unerfüllbarkeit geschlagen ist, von der unsere Zeit weiß. Ja, es führt zum Gegenteil dessen, was es zweckmäßig erstrebt: der Kapitän will voran und das Schiff dreht sich im Kreis! Bis zum Tierischen der Selbstbeziehung senkt der Widersinn uns zurück; denn das Tier war es, das im geschlossenen Ring seiner Art sich umdreht! Das Mittel des Zwecks schlägt zum Zweck um. Ein Mittel nämlich der Menschlichung war der Zweck gewesen, diese Folge der Geistigung, Göttlichung; gebraucht ohne etwas, auf das hin es vermittelt, wird es Selbstzweck. In dem inhaltlichen Sinn, in dem auch ich das Wort gelten lassen mag: vorbehaltlich unserer Absicht, die Arbeit nicht ihrethalb, sondern im Dienst unsres Lebens zu tun, da wir anderseits wissen, daß sie unserer Absicht spottet, dem Leben nicht dient und statt seiner unsre Krankheit belebt. Mit diesem formalisierenden Vorbehalt also wird Menschlichkeit jetzt das Mittel zur Arbeit, zuwider dem, daß erst Arbeit das Mittel der Menschlichung war. Der Geistesreiter auf Gott hin, der seinem Tier aufgesessen, trägt abgesessen nun die Last seines Tieres; abgestiegen, weil unter der Last seines Ritts sein Tier fast zusammenbrach, verlor er die Richtung — verlor sie so sehr, daß er auch sein Verhältnis zu seinem Tier umkehrte. Er konnte es nicht verlassen (es ist sein Tierteil!) und wollte nicht mit ihm ruhn: in der nachzuckenden Unruhe der Bewegung von Furcht bewegt, elend stecken zu bleiben, lud er das Pferd sich auf die Schultern und schleppte sich weglos 56

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