Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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tod. Calvins Seele zuerst. Welche Speise konnte er in dies Vacuum schütten? Keine eigene Seelenbewegung; er war in der Glaubensruhe bei Gott. Also nur etwas Unseelisches. Den Arbeitsdrang, der neben der Arbeitsruhe lag. Und den er, weil er bewahrt sei vor katholischen Irrgängen, als protestantische Glaubensaufgabe glaubte einführen zu können ohne Irrgang. Aber er entleerte die Arbeit ihres letzten Restes glaubbaren Inhalts : eines, der aus dem Arbeitsdrang selber erfließt; Arbeit sollte ja eine Spannung nur, nicht einen Inhalt schaffen, sollte nur eine Leere ausfüllen. Ohne Spur von Glaubensverhältnis zu seiner Arbeit, außer daß er weiß, daß er nicht von ihr lassen darf, ohne zusammenzubrechen (wiewohl er auch unter ihr fast zusammenbricht) wird der Mensch der Befreiung vom Kirchen-Werkdienst jetzt das Werkzeug, der Sklave, das Objekt seiner Arbeit, die ihn anstellt und modelt und zu ihrem Geschöpf macht. Das aus ihrem Triebwerk herausgeht so leer, wie es einging. Denn selbst der Eigennutz wird hier geprellt. Er freilich blieb als der einzige übrig auf dem Plan, der noch sorgen konnte, ivelche Sache mit der Arbeit zu schaffen sei; und zwar der lohnsüchtigste Eigennutz niedrigster Art; denn die katholische Liebesarbeit gegen Himmelslohn war ersetzt durch Arbeit gegen Erdenlohn ausschließlich, und die Uberflüssigkeit der ersteren war übertragen jetzt auf die nötige als ihre Nachfolgerin. Die sich aber gewandelt aus der zur Selbst- und Welt-Erhaltung nötigen Arbeit in die zur Erhaltung des Nötigsten, der Arbeit, nötigen Arbeit: automatisch vermehrt sich diese nur scheinbar noch vom Gewinninteresse bestimmte Arbeit weit über die Schranken heraus, in denen das Interesse obwaltet. Um die Hingabe der Seele an etwas zu retten, ist ihr die Arbeit wieder zugespielt, die nur noch aus Eigennutz anheben kann, aber auch über den Eigennutz unmenschlich hinwegrollt. Die vollkommen egoisierte Arbeit ist noch über den Egoismus heraus formalisiert. Ich übergehe die verschiedenen theologischen Scharniere, mit denen Calvin, um diesem Verlauf zu entgehen, das Bedürfnis nach Arbeit hat an den Glauben anschrauben wollen: die Schrauben haben sich gelockert - die Heiligung war die stärkste, von der die heutige Gewissenhaftigkeit und Respektabilität noch etwas hält-, und die Menschen von heut arbeiten, weil sie müssen; weil sie von ihrer Seele wegen müssen, die nicht dem Tod uer Ruhe verfallen will und doch mit der Arbeit sonst nichts gemein hat. Aber eine Erscheinung unserer Neuzeit empfängt nun ihr Licht, als Folge 68