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  1. 1910-01-01 · 1910 · page 46

    …ine um so überraschendere Uebereinstimmung zwischen der Philosophie des Judentums und Kant, als die erstere hierbei von Aristoteles an einem fundamentalen Punkte abweicht. In Kants Ethik ist vor Allem charakteristisch die Abweisung des Eudämonismus un…

  2. 1910-01-01 · 1910 · page 47

    - 48 — Menschen gemäss der Einheit Gottes. Dieses tiefste und klarste Leitmotiv, dem Worte der Psalmen entnommen,1) ist ja auch im Gebete zu einem leitenden harmonischen Ausdruck gekommen, und es hat an den Tagen der Busse dieser den erhabe…

  3. 1910-01-01 · 1910 · page 48

    — 49 — Der Unterschied freilich darf nicht übersehen werden. Bei Kant bleibt es im letzten Grunde die Vernunft selbst, welche das allgemeine Gesetz stets von neuem sich zu erzeugen hat, während im Judentum der Einzige Gott zu einer unnützen…

  4. 1910-01-01 · 1910 · page 49

    …dzug unserer Exegeten und Philosophen gegen die körperliche, sinnliche, mythologische Auffassung Gottes ein. Es ist bei Maimonides selbst gar nicht so neu, wie es bei ihm in kühner Prägnanz zum Ausdruck kommt, dass sogar das Leben bei Gott in Frage g…

  5. 1910-01-01 · 1910 · page 50

    …lehre, die Lehre von den Eigenschaften Gottes. Auch hier wieder ist Gleichförmigkeit der Richtung auf der ganzen Linie. Maimonides ist hier zum Führer der Irrenden geworden bei denen selbst, die sich als Irrende nicht erkannten. Nicolaus von Cues kan…

  6. 1910-01-01 · 1910 · page 51

    …r er unterscheidet die praktische, die sittliche Vernunft von der theoretischen. Die Reife und die Originalität, welche Maimonides seinen Vorgängern gegenüber auszeichnet, lässt sich vielleicht an keinem Punkte so scharf erkennen, wie an diesem. Die …

  7. 1910-01-01 · 1910 · page 52

    …athematik. Dieser Wahrheitssinn bildet den Anfangsgrund der Ethik. Aber die Gemeinsamkeit der Vernunft bleibt erhalten: Maimonides verbindet den „Gottesdienst des Herzens" (aSn nnny) mit den Vernunftprinzipien, an denen er den angegebenen Unterschied…

  8. 1910-01-01 · 1910 · page 53

    …hebend zugleich, wenn ein so frommer Dichter, wie der Verfasser des Kusari, der immerhin doch etwas bekannter gewordene Jehuda Ha-Levi (11.-12. Jahrh.) es ausspricht: Was will man mit der Unsterblichkeit und mit der Auferstehung mehr, als was der Psalmis…

  9. 1910-01-01 · 1910 · page 54

    — 55 — bildet ihm das Gebot der Freiheit1). An diesem scheinbaren Widerspruch ist kein Anstoss zu nehmen; denn Gott ist der Gesetzgeber der Sittlichkeit; er aber gebietet die Wahl. Die Wahl des Guten, das ist die sittliche Macht; die Freihe…

  10. 1910-01-01 · 1910 · page 55

    — 56 — ein schlagender Beweis für diese unser Blut vergiftende Ansicht? Und doch entstammt sie nur einer Verirrung im Menschen; keineswegs ist sie die Herzkraft unseres Wesens und Willens. Kant sagt daher selbst, dass diese seine Lehre nich…

  11. 1910-01-01 · 1910 · page 56

    … heisst: der Mensch ist der Zweck der Welt. Diesen Gedanken spricht Saadja mit aller. Klarheit aus1). . Und daher setzt Maimonides än die Stelle der Glückseligkeit die Selbstvervollkommnung (mofwuwi)2).. Die Selbstvsr- -vollkommnung ist das Prinzip d…

  12. 1910-01-01 · 1910 · page 57

    Der soziale Idealismus des Judentums steht im Zusammenhange mit seinem Messianismus. Hier aher ist die Herzensgemeinschaft mit Kant ganz offenkundig. Kant hat den „Traktat zum ewigen Frieden" geschrieben. „Weltbürgerliche" Gesinnung war der…

  13. 1910-01-01 · 1910 · page 58

    …e Blossen gegeben hat, scheint er sich dennoch mit seinen jüdischen Schülern recht wohl gefühlt zu haben. Die Briefe an Marcus Herz sind von einer sonnigen Freundlichkeit, wie er an niemand sonst geschrieben haben dürfte. Und dieser Berliner Arzt, an …

  14. 1910-01-01 · 1910 · page 59

    - 60 — -Die Liebe Gottes ist die Erkenntnis Gottes. Und die Erkenntnis Gottes ist die Erkenntnis "von dem sittlichen Endzweck des Menschengeschlecht«. Es besteht sonach eine innerlichste Uebereinstimraung -zwischen den systematischen Dispos…

  15. 1910-01-01 · 1910 · page 60

    — 61 — Auf der Richtigkeit unserer sittlichen Ideen beruht unser Recht und unsere Kulturmacht. Und bei dem Zusammenhang und Einklang mit der vorbildlichen Ethik des neuen Weltalters, das mit der französischen Revolution begonnen hat, dürfen…

  16. 1910-01-01 · 1910 · page 62

    III. Die Eigenart der hebräischen Geschichtsschreibung im alttestamentlichen Zeitalter von Professor Dr. George F. Moore, Harvard University, Cambridge, Mass.

  17. 1910-01-01 · 1910 · page 64

    Unter Geschichtsschreibung verstehen wir die Schöpfung eines literarischen Werkes durch die künstlerische Gestaltung eines historischen Stoffes. Ein Volk kann Erinnerungen aus seiner Vergangenheit lange mit sich herumtragen; aus solchen oft…

  18. 1910-01-01 · 1910 · page 65

    - 66 — auf der grossen Bühne der Weltgeschichte nie aufgetreten sind, und dass in der Halbinsel selber erst spät und vorübergehend mächtigere Reiche sich über das altgewohnte Kleinstaatentum erhoben haben. Wenn wir uns mit diesen keineswegs…

  19. 1910-01-01 · 1910 · page 66

    …u Volkshelden wie geschaffen waren — Saul und sein Sohn Jonathan, David mit seinen Kämpen, vor allen dem tapferen Degen Joab; Männer, deren Taten unvergesslich waren, deren Persönlichkeit die Einbildungskraft spannte; dazu Männer, deren Schwäch…