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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1910-01-01 · 1910 · page 50

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273601--1526-2275309
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— 5t — bildet eben einen prinzipiellen Unterschied von aller anderen Art des Daseins, also auch vom Leben. Ein sehr wichtiges und sehr lehrreiches Beweismittel für diesen Grundzug des jüdischen Denkens bildet die Attributenlehre, die Lehre von den Eigenschaften Gottes. Auch hier wieder ist Gleichförmigkeit der Richtung auf der ganzen Linie. Maimonides ist hier zum Führer der Irrenden geworden bei denen selbst, die sich als Irrende nicht erkannten. Nicolaus von Cues kann sich nicht genugtun, ihn hierbei zu zitieren; und auch auf Leibniz hat er von hier aus am meisten eingewirkt. So konnte Spinoza schon von Saadja seinen Grundgedanken für seine Disposition zur Bestimmung der Substanz entnehmen. Und doch, welch' ein tiefer ethischer Unterschied bleibt hier Spinoza gegenüber bestehen: Nur sittliche Attribute dürfen hier von Gott ausgesagt werden; mithin nur solche, welche sich auf die Handlungen der Menschen beziehen, in denen Gott und Gott allein, kein Mensch und kein Gottmensch, Vorbild für den Menschen werden soll. Das Wesen Gottes ist die Sittlichkeit und nur die Sittlichkeit. Sie ist die Natur Gottes. Es gibt keine andere Natur Gottes. Die Natur ist die Schöpfung Gottes. Gott ist nicht Natur; sein Wesen bildet nicht den Widerspruch, aber den Gegensatz zur Natur, die unterhalb von Gut und Böse steht. Diesen Gegensatz zur Natur bedeutet die Einzigkeit. Die intime Gleichartigkeit des religiösen Gedankens mit dem Judentum zeigt sich bei Kant vor Allem darin, dass er von der Dreieinigkeit, die er in seiner Religionsschrift ihrer politischen Tendenz nach berücksichtigen muss, nur den Sohn Gottes annimmt, diesen aber mit der Idee der Menschheit gleichsetzt.1) Die Scholastik schon hatte die Trinität moralisch und psychologisch gedeutet, und man erkennt gerade darin einen Freiheitsdrang der mittelalterlichen Vernunft. Die Romantik dagegen baut auf dem Dogma der Menschwerdung Gottes ihr Grundgebäude des Pantheismus auf. Gott ist Mensch; denn Gott ist überhaupt die Natur. Hier wird ') Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft Bd. VIS. 155 ff. vgl. Kants Begründung der Ethik 2. erw. Aufl. Th. IV, Kap. 2. Vgl. auch Charakteristik der Ethik Maimunis S. 31 und Religion und Sittlichkeit S. 39.

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