Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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- Joab 1× ep/1005321
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— 67 — die hebräische Literatur eine Begabung an den Tag legt, die an die der Griechen viel näher heranreicht, als die Reste der assyrischbabylonischen oder der ägyptischen Schriften. Den äusseren Anlass zu der Entstehung der hebräischen Geschichtsschreibung gab wohl der mächtige Aufschwung des Volksbewasstseins in Folge des Befreiungskrieges und der Abschüttelung des Philisterjoches, die Gründung des Königtumes und das siegreiche Vordringen Davids gegen die Nachbarvölker. Die Stämme Israels, bisher durch Trennung und Eifersucht zu politischer Ohnmacht verurteilt, von jedem Stärkeren unterdrückt und ausgeplündert, hatten sich zu einer Nation vereinigt und waren rasch in die leitende Stellung unter den palästinischen Kleinstaaten gerückt. Sie hatten ein glänzendes Stück Geschichte gemacht, dessen Wichtigkeit nicht nur für die Gegenwart, sondern für die Zukunft allen einleuchten musste. An der Spitze dieser Erhebung standen Männer, die zu Volkshelden wie geschaffen waren — Saul und sein Sohn Jonathan, David mit seinen Kämpen, vor allen dem tapferen Degen Joab; Männer, deren Taten unvergesslich waren, deren Persönlichkeit die Einbildungskraft spannte; dazu Männer, deren Schwächen nicht weniger als ihre Stärke bestimmende Momente in der Geschichte waren. I Ein packender Stoff bot sich hier dem Erzähler, mit Begeisterung ging er daran. Nicht unbeträchtliche Reste der hebräischen Historiographie aus der ersten Königszeit liegen uns in den Samuelisbüchern vor; wer ihre Art kennen lernen will, tut am besten, mit dem grossen zusammenhängenden Stück über Davids Haus (II. Sam. 11—I. Kön. 2) anzufangen. Auch in früheren Abschnitten sind (neben späteren Bearbeitungen) erhebliche Teile derselben erhalten. Der Grundstock dieser Erzählung macht durchaus den Eindruck, in der unmittelbaren Nähe der dargestellten Ereignisse entstanden zu sein; auch die stimmungsvollen Jugendgeschichten der Helden in ihrer ursprünglichen Gestalt brauchen keineswegs viel später zu sein. War aber einmal auf diese Weise das historische Interesse rege, so griff man über die nächste Vergangenheit — Philisternot, Volkserhebung, Gründung des Königtums — weiter hinauf und sammelte die bei verschiedenen Stämmen erhaltenen Traditionen über ihre Kämpfe mit den früheren Einwohnern des Landes oder mit einfallenden Nomadenvölkern. Schon hier aber lag keine zusammenhängende Geschicbtsüberlieferung vor, sondern nur lose Episoden, Wagestücke einzelner Stammeshelden, wunderbare Errettung