Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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— 50 — ohne das Oberhaupt Gottes. Welche Aufgabe fällt nun aber Gott bei der Verwaltung der Sittlichkeit zu? Es ist bekannt, dass diese Frage einen der allerschwächsten Punkte bei Kant berührt. Hier ist Fichte in das kritische System eingebrochen; an diesem Punkte hat er sich stark genug gefühlt, mit Erfolg das Lehrgebäude anzugreifen, aus dem er seine beste Kraft gesogen hat. Wir können aber hier davon absehen, dass Kant im innersten Widerspruche gegen sich selbst Gott wieder zum „Austeiler der Glückseligkeit" macht, um die Widersprüche des Daseins im Jenseits auszugleichen. Dies Argument ist eine mittelalterliche Floskel, die Kant nicht eigen ist, die er jedoch nur grundsätzlich, nicht aber aus seinen persönlichen Ideen zu entwurzeln vermag: in der er mit seinem Zeitalter verwachsen bleibt. Was seiner Gotteslehre dagegen charakteristisch ist, das ist das Unpersönliche im üblichen Sinne, das wahrhaft Geistige: die Erhebung Gottes zur Idee. Und nichts Geringeres ist der tiefste Grund der jüdischen Gottesidee. Weil es das Tiefste, das Wahrste ist, was von Gott zu gelten hat, das Wahrhaftigste, was an Gotteserkenntnis zu erwägen ist, daher ist es so schwer, diese These zur zwingenden Ueberzeugung zu bringen. Lieber lässt man sich den Materialismus bei Gott gefallen, der freilich doch nur den letzten Trumpf des Atheismus vorbereitet. Dagegen lehrt es ebenso jede Wendung in unserer geistigen Geschichte, wie der Begriff der Einheit Gottes es fordert: dass der Monotheismus durchaus nur der Monotheismus der Idee sein kann. Schon der Kampf gegen die Anthropomorphismen, die sieb in der Bibel finden, leiten diesen Feldzug unserer Exegeten und Philosophen gegen die körperliche, sinnliche, mythologische Auffassung Gottes ein. Es ist bei Maimonides selbst gar nicht so neu, wie es bei ihm in kühner Prägnanz zum Ausdruck kommt, dass sogar das Leben bei Gott in Frage gestellt wird. Die Schrift stelle es nicht im status construetus zu Gott. Schon Saadja nimmt Anstoss am Leben1). Das Sein Gottes ') nsvii yow rvanSi awyS n»a«n u»ri viD«n ]its^a vhy -\tsoh d»n3 ««n i^ni •jrta nm n» nSy» xb ib>n ~iy pon oim. Wollten wir in adäquater Weise von Gott reden, so müssten wir Ausdrücke, wie hören, sehen, barmherzig, wollend beiseite lassen und aufgeben, so dass schliesslich nur das reine Sein übrig bliebe. Emunot S. 61; vgl. S. 58, auch S. 44.