Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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- 48 — Menschen gemäss der Einheit Gottes. Dieses tiefste und klarste Leitmotiv, dem Worte der Psalmen entnommen,1) ist ja auch im Gebete zu einem leitenden harmonischen Ausdruck gekommen, und es hat an den Tagen der Busse dieser den erhabensten Aufschwung verliehen. Die Liebe und Verehrung Gottes werden durch die Einheit des Herzens bedingt. „Mache einheitlich unsere Herzen,zu lieben und zu verehrenDemenNamen"(."Dnt6 HT "pttf n« iw'n). WennBachja's „Herzenspflichten" keinen anderen Begriff entdeckt hätten, als den sie in der Einheit des Herzens, in der Einheit der Handlung und in der Einheit der Gottesverehrung (miayn mrr) zum Ausdruck gebracht haben, so wäre ihr Wert schon dadurch sehr beträchtlich; und dass die jüdische Erbauung dieses Buch zum allgemeinen Schatzkästlein der Andacht die Jahrhunderte hindurch festhalten konnte, das ist ein sehr bemerkenswertes Zeichen für ihre Kraft und Klarheit, ihre Innerlichkeit und Wahrhaftigkeit. Der Lust und der Glückseligkeit tritt die Vernunft entgegen, die Vernunft des Willens, welche den Zwiespalt abwehrt, und die Einheit des Willens begründet. Für Kant freilich wäre diese Einheit, insofern sie sich auf die Seele und das Gemüt bezieht, doch immer als eine psychologische Bestimmung verdächtig gewesen. Er sucht durch objektive begriffliche Prinzipien den sittlichen Willen zu begründen. Indem er die Glückseligkeit als die Triebfeder des Willens abweist, setzt er einen logisch abgeleiteten Begriff als Bestimmungsgrund des Willens ein. Dieses Prinzip des Willens ist das allgemeine Gesetz. Die Sittlichkeit soll als ein Gesetz zu denken sein, Avelches ohne Ausnahme für jeden Menschen und von jedem Menschen gültig ist. Dieses Gesetz soll zwar auf der Selbstgesetzgebung (Autonomie) der Vernunft beruhen; aber die Vernunft darf keine andere Beziehung zum Willen einnehmen, als dass sie ihm ein allgemeines Gesetz auferlegt. Wir dürfen nicht „Volontäre der Sittlichkeit"2) sein. Es ist, als ob Kant diesen Ausdruck von einem jüdischen Philosophen und im Talmud selbst vernommen hätte. „Grösser der unter dem Gebot handelt als der ohne Gebot" (nwjn mixo Uttt^Bö «TW »™5 hm)3). x) Pb. 86,11: Mache einheitlich mein Herz, deinen Namen zu verehren. 2) Kritik der praktischen Vernunft V. W. Bd. V. S. 87. *) b. KidduBchkt 31a.