Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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— 61 — Auf der Richtigkeit unserer sittlichen Ideen beruht unser Recht und unsere Kulturmacht. Und bei dem Zusammenhang und Einklang mit der vorbildlichen Ethik des neuen Weltalters, das mit der französischen Revolution begonnen hat, dürfen wir für Beide zugleich Trost und Hoffnung fassen. Die Mystiker, die Obskuranten, die eine anscheinende Poesie als Philosophie ausgeben, werden mit den anderen Irrgeistern dieses unseligen, verworrenen Zeitalters allgemach verscheucht werden, und die klassische Gesinnung wird wieder erwachen in der Philosophie, wie in der Kunst, und aus ihr und mit ihr wird sich eine neue Richtung der Politik den sichern Weg bahnen, welche mit der sittlichen Reinheit des prophetischen Monotheismus sich verwandt fühlen, und daher das Judentum als ihren natürlichsten Bundesgenossen erkennen und würdigen lernen muss. Verlieren wir nur unsern angestammten, imsern messianischen Optimismus nicht. Die bösen Geister, die mit dem Pessimismus ihr Spiel treiben, werden wieder verschwinden, und die sittliche Gesundheit, die menschliche Klarheit und Aufrichtigkeit, daher die schöpferische Kulturkraft unserer ewig jungen Religion wird so gewiss zu allgemeiner Erkenntnis und Anerkennung kommen — als der Fortschritt zum Guten das Ziel der Weltgeschichte ist und bleibt. In diesem Schlussgedanken der Philosophie der Geschichte kommen wiederum Kant und das Judentum einmütig zusammen: die in ihrer Methode wahre Philosophie und die in ihrem Gotte wahre Religion.