Mannheim
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175
188719001913
  1. 1892-01-01 · 1892 · page 1

    der Realschule der israelitischen Gemeinde (philanthropin) zu Frankfurt a. M> Ostern 1892 Inhalt: 1. Die Schicksale der Juden zu Frankfurt a. M. während des Fettmilchschen Aufjiandes. Von vr. Isidor Äracau er. 2. Schulnachrichten. Von Direk…

  2. 1892-01-01 · 1892 · page 2

    Die Schicksale der Huden zu Frankfurt a. M. während des Fettmilchschen Aufstandes. Von I)r. Isidor Kvara«er. I. Im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, kurz vor dem Ausbruch des dreißigjährigen Krieges, war die Reichsstadt Frankfurt vier Ja…

  3. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 4

    ihrer Religion völlig ungehindert war, aber nicht einmal in die Zünfte wurden sie aufgenommen, und gar das um diese Zeit vom Kaiser und vom Kurfürsten von Mainz an die Bürgerschaft gestellte Verlangen, den Katholiken einige Ratssitze einzur…

  4. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 5

    bemühte, durch allerlei Scheingründe sein unumschränktes Recht über die Bürger zu beweisen, um so mehr erinnerte er sie an das ihrige, an die zahlreich verliehenen Privilegien, mit denen die angemaßte Gewalt des Rates in Widerspruch stehen …

  5. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 6

    - 6 - gesund." Noch 1618 zeigte sie beim Rate einen Bürger an, der unter anderem geleugnet hatte, daß die Juden verdammt seien. Für diese Ketzerei wurde er gefoltert und aus der Stadt verwiesen. So waren es sowohl wirtschaftliche, als relig…

  6. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 7

    wird der Allerhöchste einen süßen Geruch empfangen, und die Engel werden darüber frohlocken, und die heilige Dreifaltigkeit wird dem Kaiser Glück und Wohlfahrt verleihen." Der Kaiser schien jedoch wenig Lust zu haben, den so verlockenden Lo…

  7. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 8

    da ohnedies die Bürgerschaft schon alle Rechte an sich gerissen hätte, und verließ wie ein Mann den Sitzungssaal. Inmitten der ungeheuren Verwirrung, die dieser unerwarteten Erklärung folgte, warf sich Vincenz Fettmilch zum Wortführer der M…

  8. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 9

    — 9 — Im Gefühle seiner Ohnmacht wandte sich der Rat aufs neue an den Kaiser und ersuchte ihn um seine Intervention. Mathias war dazu bereit. Am 20. Juli erschien ein kaiserlicher Herold in der Stadt und ließ im Römer sowohl als in Sachsenh…

  9. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 10

    — 10 — Den ihm hingeworfenen Fehdehandschuh nahm der Ausschuß sofort auf. Am 3. November übergab er den Subdelegierten eine höchst umfangreiche Beschwerdeschrift, die im Druck nicht weniger als 40 Folioseiten zählt. Die Schrift beginnt mit …

  10. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 11

    - 11 — ihre Schande vor den Christen zu verbergen. Ja, der Rat leiste sogar ihrer abergläubischen Religion direkt Vorschub, denn er gestatte, zur Feier des Laubhüttenfestes Reiser aus dem Stadtwald zu holen. Am 11. November gelangten diese …

  11. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 12

    - 12 - Mit der Judenfrage beschäftigte sich nur der Artikel 22 des Bürgervertrags. Von all den Klagen der Zünfte hielten die Kommissarien nur zwei für berechtigt, die Beschwerden über den hohen Zinsfuß und die zu große Anzahl der Juden. Des…

  12. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 13

    - 13 - ins Werk. Er ließ die Verpfändungsurkunde Karls IV. durch Abschriften vervielfältigen und unter die Menge verteilen; auch las er verschiedene städtische Privilegien und Auszüge aus der Stättigkeit vor, alles in der Absicht, die Bürge…

  13. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 14

    — 14 — der Ausschuß die Hoffnung, daß man ihn ungestört walten lassen würde, umsomehr, da er wußte, welche Besorgnis der Landgraf Ludwig hegte, die Bürger könnten sich der Union anschließen, wenn man zu hart gegen sie vorgehe. Er erhob imme…

  14. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 15

    2) Nur diejenigen, die mindestens 15000—20000 Gulden besitzen, dürfen in der Stadt bleiben. 3) Die übrigen Juden haben sich binnen 8—14 Tagen nach dem Ausweisungsbefehl mit den städtischen Rechenmeistern abzufinden und die Stadt zu räumen. …

  15. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 16

    - 16 - gehörten viele Schulmeister, die ihr Vermögen auf zehn Gulden angaben. Ihnen allen wurde bedeutet, binnen 8—14 Tagen ihre geschäftlichen Verpflichtungen zu erledigen und nach Erlegung des Abzugsgeldes — 10"/y des Vermögens — die Stad…

  16. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 17

    - 17 - er nun. Um es aber andrerseits mit dem Ausschuß nicht ganz zu verderben, erließ er eine Reihe von Verordnungen, die jeden Zweifel an seiner judenfeindlichen Gesinnung niederschlagen sollten. So untersagte er ihnen, zum Laubhüttenfest…

  17. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 18

    — 18 — dachte sie gar nicht mehr daran, den Kompromiß zu halten und sich den Befehlen des Kaisers zu fügen; sie sah sich vielmehr nach auswärtigen Bundesgenossen um, die ihr einen Rückhalt bieten sollten. So knüpfte sie mit dem Kurfürsten v…

  18. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 19

    — 19 — und jeder einzelne beharrte dabei, daß die Berichte der Judenschaft an den Kaiser niemals von der Wahrheit abgewichen seien. So hatte der Rat wenig Grund, mit dem Ergebnis der Verhöre zufrieden zu sein, und hat die Protokolle wohl sc…

  19. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 20

    - 20 - Gewitter hielten. Auch Fettmilch traf Vorkehrungen, als ob ein militärischer Überfall zu befürchten sei, und ließ Thore und Wälle scharf bewachen. Doch Mathias zog mildere Seiten auf. Am 26. Juli sandte er ein Mandat, worin diejenige…

  20. 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 21

    — 21 — auf der Schmidtstube die Rede davon war, man müsse die Juden einmal plündern, und daß Fettmilch die an ihn ergangene Aufforderung, die aufgeregten Gesellen zu beschwichtigen, rundweg zurückwies. Durch einen Handstreich auf die Judeng…