Programm
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- Volume
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Die Schicksale der Huden zu Frankfurt a. M. während des Fettmilchschen Aufstandes. Von I)r. Isidor Kvara«er. I. Im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, kurz vor dem Ausbruch des dreißigjährigen Krieges, war die Reichsstadt Frankfurt vier Jahre hindurch der Schauplatz einer Revolution, die das Gemeinwesen bis in seine Grundfesten erschütterte und sogar die Selbständigkeit der Stadt in Frage stellte. Diese unter dem Namen des Fettmilchschen Ausstandes in der Geschichte Frankfurts bekannte Erhebung hatte ihren Grund in der Unzufriedenheit mit der Verfassung, die sich im Lause der Zeit, besonders unter dem Einfluß des Reformationszeitalters, zu einer streng oligarchischen ausgebildet hatte und auf den verschiedenen Klaffen der Bevölkerung mit schwerem Druck lastete. Die Einwohnerschaft gliederte sich wesentlich in drei Bestandteile. Den ersten Rang nahmen die Gesellschaften ein, die, abgesehen von der einen Krämergesellschaft, die patrizischen Geschlechter der Stadt umfaßten. Die bei weitem vornehmste war die der Limpurger; schon die zweite Adelsgesellschaft, die der Frauensteiner*), stand ihr an Einfluß bedeutend nach. Einen zweiten Hauptbestandteil bildeten die zahlreichen Zünfte, die nicht etwa im heutigen Sinne des Wortes nur rein gewerbliche Genossenschaften waren, sondern festgefügte Verbindungen mit politischen, militärischen, kirchlichen und gewerblichen Zwecken. Zünfte und Gesellschaften waren ausschließlich die politisch berechtigten Klassen in der Bevölkerung. Den dritten Bestandteil bildeten die sehr zahlreichen Unzünftigen, die von jeder Teilnahme an den Regierungsgeschäften ausgeschlossen waren. Die politische Sonderung war zugleich eine religiöse; die Herrschaft lag ausschließlich in den Händen der Lutheraner. Am meisten hatten unter der religiösen Unduldsamkeit die glaubensverwandten Reformierten, sowohl deutscher als niederländischer Abkunft, zu leide«. Nur nach schweren Kämpfen war ihnen das Recht der Niederlassung in der Stadt bewilligt worden, aber mit aller Entschiedenheit hatte man ihnen den Bau von Kirchen verweigert, so daß sie ihre Andachten außerhalb der Stadt in benachbarten Orten verrichten mußten. Die katholische Bevölkerung hatte zwar ihre Kirchen in der Stadt, wie sie überhaupt in der Ausübung *) Beide Namen stammen von den Häusern auf dem Romerberg, wo diese Gesellschaften ursprünglich ihre Trinkstuben hatten.