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Programm · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 15

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Journal
Programm
Volume
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 15 (sequence 14)
Language
German
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2) Nur diejenigen, die mindestens 15000—20000 Gulden besitzen, dürfen in der Stadt bleiben. 3) Die übrigen Juden haben sich binnen 8—14 Tagen nach dem Ausweisungsbefehl mit den städtischen Rechenmeistern abzufinden und die Stadt zu räumen. 4) Die Zurückbleibenben, deren Ausweisung sich der Rat für später vorbehält, haben sich eidlich zu verpflichten, die Ausgewiesenen auf keine Weise gegen die Obrigkeit zu unterstützen. Außerdem müssen sie ihr zur Abwickelung der schwebenden Schuldverhältnisse den zehnten Teil ihres Vermögens zu 5^ vorstrecken. 5) Der Zinsfuß wird bei Pfandgeschäften auf 5v/g, bei Kreditgeschäften auf 6^ festgesetzt. Die Geschäftsbücher müssen in deutscher Sprache geführt und aus Verlangen vorgezeigt werden. 6) Künftig sollen keine Juden mehr in Frankfurt aufgenommen werden. Den noch einstweilen Geduldeten hat ein evangelischer Prediger wöchentlich einmal das Wort Gottes vorzutragen. Die Kommissionsvorschläge kamen sofort im Rate zur Debatte, und die „Moderation" wurde angenommen. Ein heftiger Streit entspann sich nur bei der Festsetzung des Zinsfußes. Weitzens Anhänger wollten ihn nach den Reichskonstitutionen — also zu 5^ — festsetzen, die alten Ratsmitglieder hingegen nach 8 22 des Bürgervertrags, dessen strenge Jnnehaltung der Landgraf ihnen soeben nochmals anbefohlen hatte. Schließlich ging man der Streitsache dadurch aus dem Wege, daß mau bestimmte, die Zinsen sollten „nach Billigkeit" bezahlt werden. Weitz, der damals erbitterter über die Juden war als je, weil sie seinen Vorschlag, gegen Bezahlung seiuer Schulden ihre Vertreibung zu verhindern, abgelehnt hatten, teilte sofort die im geheimen gefaßte Beschlüsse Fettmilch und dem Ausschuß mit. Diesem erschien eine solche Behandlung der Juden viel zu milde; er stürmte noch am selben Tage in den Römer und verlangte unter Drohungen die sofortige Vertreibung der Judengemeinde bis auf 20 Familien. Der Rat suchte den Ausschuß dadurch zu beschwichtigen, daß er versprach, mit der Moderation gleich am folgenden Tage zu beginnen. Später wolle er die gänzliche Entfernung der Juden beim Kaiser nachsuchen; jede Verantwortung aber lehnte er ab, schob sie vielmehr aus die Zünfte und Gesellschaften, von denen er jetzt eine schriftliche Willensäußerung über ihre Stellung zur vorliegenden Frage verlangte. Damit zögerten diese auch nicht. Am wenigsten feindlich gegen die Juden lauteten die Gutachten der Steinmetzen und Maurer; sie wollten sich strikt an die Privilegien und den Bürgervertrag halten. Ihnen schlössen sich die Metzger an, die sich im übrigen mit dem einverstanden erklärten, was die Bürgerschaft beschließen würde. Die meisten Zünfte aber waren für einstweilige Moderation und spätere Abschaffung, andere sogar für sofortige Entfernung. Als wütende Gegner der Juden zeigten sich die Buchdrucker, die den uns bereits bekannten Sauer zu ihrem Sprecher hatten. Unter der heuchlerischen Versicherung, daß man mit der Sache behutsam umgehen müsse, da die Juden ebenso gut, wie sie Menschen wären, beantragten sie die härtesten Maßregeln, die nur noch von denen der Schneider, Fettkrämer und Hecker (Winzer) in Sachsenhausen übertroffen wurden, auf deren Zunststuben Fettmilch das große Wort führte.*) Viel besonnener hingegen äußerten sich die Gesellschaften. Besonders die alt angesehenen Limpurger waren gegen die Vertreibung der Juden, da ja nichts Erhebliches wider sie vorliege und sie außerdem durch ihre Privilegien und den Bürgervertrag geschützt seien. Doch konnte ihre Stimme nicht durchdringen, und die Moderation nahm ihren Anfang. Zuerst wurden 60 der ärmsten Juden vorgeladen. Zu ihnen *) Fettmilch verlangte, daß man nur 17 Juden, und zwar auch die nur für kurze Zeit, behielte. Diesen solle man „dapfer ausschneiden", nämlich ihnen jedweden Handel verbieten, ausgenommen das Geldausleihen zu 5°/o> Die Synagogen seien zu schließen; hingegen hätten jeden Tag 2 von den 17 bei Strafe etlicher Goldgulden eine christliche Predigt zu hören u. s. w.

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