Mannheim
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  1. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 42

    42 Mittel, sich vor dem drohenden Uebel zu verbergen, zu schützen; es greift daher auch nach der schützenden Hülle des unwahren Wortes, wenn es darin augenblickliche Rettung sieht und ein „Es ist nicht wahr", „Ich Hab es gar nicht gethan" u…

  2. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 43

    43 ausreicht. Wenn man aber einmal die Wirkung der Furcht nicht glaubt entbehren zu können, so gebe man derselben doch ja nicht die Richtung auf die Personen, deren Vorschriften der Zögling zu befolgen bestimmt werden soll, sondern aus die …

  3. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 44

    trauen. — Vertrauen in ihre Einsicht und Absicht, in ihr Wissen und Wollen ist die einzig sittliche Grundlage des Gehorsams, denn es macht die widerspruchslose Befolgung ihrer Vorschriften zur ersten freien That des Kindes. Vertrauen in die…

  4. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 45

    45 lichen Seele noch kein Zweifel an der Wahrhaftigkeit feiner Umgebung und der Menschen überhaupt erwacht ist, wird die Lüge nur schwer den Eingang in sein eignes Herz finbeu. Drum ist es zur Pflege und zum Schutz der Wahrhaftigkeit dringe…

  5. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 46

    46 Gebot den Menschen überhaupt nicht heilig sei. Das Laster, das wir aus der unmittelbaren Anschauung kennen lernen, hat für das unverdorbene Gemüth neben der Verlockung immer doch zugleich auch etwas Abschreckendes, zumal wenn dem Kinde z…

  6. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 47

    47 als der Ausdruck ihrer Ueberzeugung empfunden werden, daß ihr Kind ihr Bertrauen verdiene. Und wie ein solches Vertrauen seiner Eltern und Erzieher der Stolz des Kindes sein darf und muß, so wird es dasselbe auch ehren und heilig halten …

  7. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 48

    48 Mißtrauen gegen Kinder zeigen, wenn sie es nicht verschuldet, heißt geradezu ihnen den Freibrief zur Lüge geben. Denn die Verwerflichkeit der Lüge beruht auf nichts Anderem, als auf dem Mißbrauch und der Erschütterung des Vertrauens. Wo …

  8. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 49

    49 den Hochmüthigen zu beschämen, den Listigen zu überlisten und also auch den Mißtrauischen zu täuschen suchen. Eltern, die ihren Kindern Mißtrauen bezeugen, verdunkeln vor ihrem Blick den Glanz der Wahrhaftigkeit und verhüllen ihrem Auge …

  9. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 50

    50 des Vertrauens überhaupt kennen und würdigen, und erhalten sie in der schützenden Scheu vor der Unwahrheit, durch die sie sich dessen berauben und unwürdig machen. Sie erhalten sie aber auch im Vertrauen zu ihren Mitmenschen und eben dad…

  10. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 51

    t — 51 — überrascht hast, die ganze Tiefe des Schmerzes empfinden, den Dir die Entdeckung des getäuschten Vertrauens bereitet. Entziehe ihm dies Vertrauen noch nicht sogleich, aber verhehle ihm nicht, wie schwer es Dir wird, das erwachende …

  11. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 52

    52 mahne, als deren Folge er sie erkennen soll. Man wird hier durch eine fühlbare Zurücksetzung des lügenhaften Kindes gegen seine Geschwister, durch ein längeres Versagen jeder Zärtlichkeit von Seiten der Eltern nicht zu weit gehen. Denn d…

  12. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 53

    53 erloschen, oder doch so sehr geschwächt ist, daß diese jederzeit in Bereitschaft gehalten wird, um die Folgen von jenem abzuwehren; daß nicht Leichtsinn oder der Schrecken des Augenblicks die Lüge erzeugt, sondern der Umgang mit derselbe…

  13. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 54

    54 haupten, da cs wohl in der Pädagogik ebensowenig, und vielleicht noch weniger als in der Medizin, immer und sicher helfende Universalmittel für jede Form und jedes Maß des Nebels gibt, das geheilt werden soll, und da hier noch mehr als d…

  14. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 55

    55 sammenstellt, daß sie ihrem positiven Inhalte nach, oder doch in gewisser Deutung, keine Unwahrheit enthalten, aber doch geeignet und bestimmt sind, den Angeredeten zu täuschen und irre zu führen. Es bedarf daher wohl keiner Bemerkung, d…

  15. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 56

    — 56 — werden auch meist nur Zierpflanzen des Lebens sein; und wer über die Stellung, die ihm sein Alter und seine Lebensverhältnisse geben, sich hinausdrängt, wird sich auch leicht in seinem ganzen Verhalten zu einer Höhe emporschrauben, d…

  16. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 57

    57 Ich schließe mit diesen skizzenhaften Andeutungen eine Abhandlung, die sich vielleicht schon über das Maß ihrer Bestimmung ausgedehnt hat und doch auf Vollständigkeit und erschöpfende Durcharbeitung des Gegenstandes keinen Anspruch mache…

  17. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 58

    58 SchuLnachrichlen. Der Lehrplan der Anstalt hat auch in diesem Jahr keine wesentliche Veränderung erfahren. Indem wir daher auf die ausführlichere Mittheilung desselben im Programm des Jahres 1858 verweisen, können wir uns auch diesmal au…

  18. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 59

    59 die Anstalt eine ihrer tüchtigsten Lehrkräfte, das Lehrkollegium eines seiner würdigsten und geehrtesten Mitglieder verloren hat. — Nachdem derselbe in seiner Vaterstadt Darmstadt und später in Paris eine sorgfältige wissenschaftliche un…

  19. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 60

    60 Vor wenigen Tagen, nemlich am 26. Februar d. I., ist der emeritirte Oberlehrer der Anstalt, Herr Dr. Michael Heß, sanft und schmerzlos aus dem Leben geschieden, nachdem er am 9. April v. I. in sein 77 Lebensjahr getreten war. Obgleich de…

  20. 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 61

    61 und die elastische Lebendigkeit seines Geistes, die sich bis in seine letzten Lebenstage ungeschwächt erhalten hatte, hat ihn auch nach seinem Scheiden aus der Anstalt noch zu einer wirksam und lebendig fördernden Kraft derselben gemacht…