Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 48)
- Language
- German
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trauen. — Vertrauen in ihre Einsicht und Absicht, in ihr Wissen und Wollen ist die einzig sittliche Grundlage des Gehorsams, denn es macht die widerspruchslose Befolgung ihrer Vorschriften zur ersten freien That des Kindes. Vertrauen in die Wahrhaftigkeit und Untrüglichkeit der elterlichen Worte ist die Quelle seines Wissens und Glaubens, aus der es allmählig die Kraft des eigenen Denkens schöpft. Aber die leiseste Erschütterung dieses Vertrauens bringt den ganzen Bau des erziehlichen Einflusses zum Wanken und verwirrt die gesammte Vorstellung des Kindes von Recht und Unrecht. Jeder Widerspruch zwischen Wort und That der Eltern und Erzieher, den das kindliche Auge schneller und sicherer entdeckt, als man von ihm erwartet, weckt entweder den Zweifel an ihrer Person, oder an ihren Lehren und Vorschriften, und in der Regel an Beidem. Der sichere Halt seines Thuns ist verloren; und die natürliche Regung der Leidenschaft benutzt dieses Schwanken zur Rechtfertigung jedes Abweges, auf den sie das Kind leitet. Eltern und Erzieher mögen daher mit unerbittlicher Strenge über sich selber wachen, daß kein Zweifel an ihrer Wahrhaftigkeit in der Seele des Kindes aufkeime, und mögen sich insbesondere in Gegenwart des Kindes nimmermehr eine jener Unwahrheiten gestatten, die man so geneigt ist für harmlose Lügen zu halten, gegen deren Statthaftigkeit wir uns aber entschieden aussprechen zu müssen glaubten. Aber die Erzieher und Bildner der Jugend sollen ihr nicht nur selbst das Bild der unverbrüchlichen Wahrhaftigkeit geben, sondern ihre zarte Seele auch vor den Eindrücken der Lüge schlitzen, die ihr von anderer Seite drohen. Denn die Verletzung der Wahrhaftigkeit vor den Augen des Kindes ist nicht nur als Beispiel verderblich, sondern auch als die Quelle des Mißtrauens, das wir als einen wuchernden Keim der Lügenhaftigkeit selbst betrachten müssen. So lange in der kind-