Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 47)
- Language
- German
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43 ausreicht. Wenn man aber einmal die Wirkung der Furcht nicht glaubt entbehren zu können, so gebe man derselben doch ja nicht die Richtung auf die Personen, deren Vorschriften der Zögling zu befolgen bestimmt werden soll, sondern aus die Nebel, die aus den verbotenen Handlungen hervorgehen, und die sich dem Kinde als die nothwendigen und unausbleiblichen Folgen derselben darstellen müssen, selbst wenn sie in Gestalt von über ihn verhängten Strafen erscheinen. Man wird dadurch den doppelten Gewinn erzielen, daß die schützende Furcht vor der That und ihren Folgen auch dann noch wirksam bleibt, wenn zur Furcht vor den Personen momentan kein Grund vorhanden ist, und daß das sittliche Verhältniß der Liebe und Ehrfurcht zu den Eltern und Erziehern durch die demselben feindlich widerstrebende Furcht nicht alterirt und verkümmert wird. Was aber soll als Schutzmittel gegen die Lüge an die Stelle der Furcht treten? Wir haben bereits die Ehrfurcht und das Schaamgefühl, so wie die Gewöhnung an Offenheit, Geradheit, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit genannt. — Aber als eben so wirksame und zuverlässige Schutzwehr gegen die Lüge, glaube ich das Vertrauen bezeichnen zu dürfen; und zwar nicht nur dasjenige, das wir dem Kinde gegen uns einflößen; denn dieses bildet die Grundlage für allen sittlich erziehenden Einfluß auf das Kind, sondern ganz besonders dasjenige, das wir dem Kinde schenken und das wir bei ihm für Jedermann voraussetzen, pflegen und fordern. Ich möchte fast glauben, daß das Kind selbst durch Furcht und Schrecken niemals zur Lüge kommen könnte, wenn es nicht irgendwie oder irgendwo die Lüge kennen gelernt, wenn nicht bewußt oder unbewußt sein natürliches Vertrauen irgend eine Erschütterung oder Verkümmerung erfahren hat. Es gibt nichts Kostbareres, was Eltern und Erzieher sich bei ihren Kindern und Zöglingen zu erhalten haben, als das Ver-