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Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite 54

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Journal
Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite 54 (sequence 58)
Language
German
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IRI
…/9643705-7658027--59-7658083
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54 haupten, da cs wohl in der Pädagogik ebensowenig, und vielleicht noch weniger als in der Medizin, immer und sicher helfende Universalmittel für jede Form und jedes Maß des Nebels gibt, das geheilt werden soll, und da hier noch mehr als dort die Individualität des Patienten und des Arztes für die Wirkung der pädagogischen Kur ein wesentliches Moment bildet. — Wir haben mit unseren Betrachtungen das Maß eines Schulprogrammes fast schon überschritten und doch das Thema bei weitem noch nicht erschöpft, das wir zum Gegenstände desselben gemacht haben. Die Grenze, die uns der Charakter dieser Blätter vorschreibt, möge es daher entschuldigen, wenn wir schließlich nur noch einige kurze Sätze und Bemerkungen dem Bisherigen beifügen und einige Fragen nur andeuten, deren Beantwortung nicht ohne pädagogisches Interesse sein dürfte. Unwahr können wir eben so gut gegen uns selbst, wie gegen Andere sein. Die Unwahrheit gegen uns selbst beruht, theils auf einer mehr oder weniger absichtlichen Selbsttäuschung über die Motive zu unseren Handlungen, theils auf Unklarheit über unser Empfinden und unser Wollen überhaupt. Jene beschönigt unsere Handlungen, die aus unlauteren und unedlen Beweggriinden hervorgehen und ist äußerst erftnderisch in Entschuldigungen, mit denen wir unsere Trägheit oder unsere Leidenschaft rechtfertigen; diese täuscht uns über uns selbst und schraubt nicht selten unsere Aeußerungen und Kundgebungen zu einer Höhe des Empfindens hinauf, wie wir es in Wahrheit nicht besitzen. Sie ist die Quelle der Empftndelei, der Affektirtheit, der Schwärmerei, mit einem Wort der Unwahrheit in unferm Thun und Lassen. Die Unwahrheit, die auf Selbsttäuschung beruht, ist sophistisch, und diese Sophistik zeigt sich auch in einer eigenthümlichen Form der Lüge, die darin besteht, daß man seine Worte künstlich derartig zu-

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