Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 53)
- Language
- German
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49 den Hochmüthigen zu beschämen, den Listigen zu überlisten und also auch den Mißtrauischen zu täuschen suchen. Eltern, die ihren Kindern Mißtrauen bezeugen, verdunkeln vor ihrem Blick den Glanz der Wahrhaftigkeit und verhüllen ihrem Auge den Schmuz der Lüge. Sie stumpfen ihre Sinne ab für die Forderungen der Einen und für die Wirkungen der Andern. Sie trüben in den Augen des Kindes seine unbefleckte Ehre und machen es unempfindlich gegen die Selbstentwürdigung der Lüge. Sie rauben ihm den Glauben an sie, an sich selbst und an Andre und entbinden es von den Pflichten, die ihm derselbe auferlegt. Sie drängen den Pulsschlag seines Herzens, das sich ihnen freudig öffnet, in sich selbst zurück, indem sie das ihrige, an das es sich wendet, gegen ihn verschließen. Mißtrauen ist die unglückselige Frucht der Lüge, die den Samen immer neu sich erzeugender Lüge in sich trägt. Ja es gehen Eltern und Erzieher in ihrem Mißtrauen gegen Kinder und in der Kundgebung desselben nicht selten so weit, daß sie, um ihre Wahrhaftigkeit zu prüfen, sie geradezu zur Lüge verlocken; und indem sie selbst Unbefangenheit und Unkenntniß simuliren, ihnen Fallen legen, durch die sie ins Netz der Lügenhaftigket sich fangen sollen. Ich muß ein solches Verfahren geradezu als Frevel an der Kindesnatur bezeichnen und es werden Eltern und Erzieher wohl nicht an der Achtung und Liebe ihrer Kinder und Zöglinge gewinnen, wenn sie diesen gegenüber nur auf eine Gelegenheit zur Beschämung und Bestrafung zu lauern scheinen, und ihnen gleich Polizeispionen den Anlaß zum Fehltritt selbst in den Weg legen, daß sie darüber straucheln und fallen. Ellern aber, die ihren Kindern Vertrauen schenken, erwecken in ihnen den reinsten und edelsten Stolz, der zum Schutz der Menschenwürde, zur Abwehr alles Unwürdigen und Unlauteren in ihnen dient. Sie lehren sie den Werth 4