Mannheim
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  1. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 122

    …en engen Zusammenhang von Mensch und Tanz erinnert. Es ist der Aufschrei eines reinen Männerherzens, wenn der Professor Johann Georg Jacobi 1775 in seiner ,,Iris" sich an Alle wendet: „Wir sollten nicht gestatten, daß unsere Weiber, Töchter" — vorsorglich füg…

  2. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 123

    chen, auf das er Ansprüche hätte, nie mit einem Andern walzen sollte als mit ihm, ,,und wenn ich darüber zu Grunde gehen müßte". Nicht umsonst rasten die Zuseher und wollten ihr Opfer haben: Der Magistrat zu Basel verbot das Walzen. Längst …

  3. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 124

    weis von der vielseitig bestrickenden Art der Pragerin, welche im Um- und Bestricken mehr leistete als eine andere Frau. DER MUSIKPAPST VON PRAG. Erich Steinhard. Eine von den Originaltypen der Prager Kleinseite, ein aufgeblasener Herr — we…

  4. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 125

    Seine Bekannten schildern ihn als wohlbeleibte, umfangreiche Riesengestalt, als einen Mann, der mit magistraler Miene steif einherstolzierte, der sich selbst vergötterte, nicht sehr freundlich war, die Leute fixierte, laut mit ihnen schrie,…

  5. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 126

    andern Zimmer etwas suchen, was ich Ihnen vorspielen könnte," sprach er und trat in's Nebenzimmer, indes ich mit dem lieben Mondschein allein in der Stube zurückblieb. Es gibt Augenblicke im Menschenleben, die sehr lange dauern. Ein solcher…

  6. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 127

    Kraft jugendlichen Feuers. Ein Meer von Leidenschaften und Gefühlen brauste mit Allgewalt aus den Saiten hervor. Gretchens verzweifelter Wehruf, des Domes unerbittlich ernster und feierlicher Choral, streng wie das Weltgericht und allmächti…

  7. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 128

    rück. Nach einer Weile kam er mit einer frischen Kerze wieder und überreichte mir ein kleines Notenblatt. „Nehmen Sie das mit," sprach er, ,,als Erinnerung an diese Stunde, und wenn Sie nach Wien kommen, grüßen Sie mir die dortigen Herren!"…

  8. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 129

    Vor der Kirche bis zur Dreifaltigkeitssäule inmitten des sonst aristokratisch ruhigen Platzes erregte eine fanatische Volksmenge bunt durcheinander sich schiebend immer wieder durch ihr heiser anschwellendes Geschrei sich selbst: Zum Feuer …

  9. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 130

    Wie um den Logenring im Theater wogten hochgetürmte Damenfrisuren über den Balustraden zwischen den Marmorpfeilern der Emporen. Hinter den Sitzen der Damen drängten sich die Kavaliere, mit Spitzentaschentüchern sich Kühlung zufächelnd. Man …

  10. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 131

    und glatzköpfig, in einem schmutzigen zerrissenen Gewand. Ihm zur Seite ging ein Wächter. Für Augenblicke brandete die geschlossene, unpersönliche Masse, ein Köpfemeer, mit verkrampften Fäusten drohend auf: Zum Feuer, zum Feuer! „Sehen Sie,…

  11. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 132

    Einkünfte einer Diözese," lächelte man nachsichtig als Antwort, „die chronique scandaleuse ist reich an amüsanten Anekdoten." Mit einemmal reckte sich auf der Kanzel eine schwarze Mönchsgestalt mit überzogener Kapuze auf. Mit der Rechten wa…

  12. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 133

    Papstes, die Notwendigkeit der Sakramente gepredigt zu haben; das Verbrechen des Ungehorsams, der Auflehnung auf sich geladen zu haben; so dem geistlichen Gericht nach kirchlichem Recht und Gesetz verfallen zu sein," schwoll des Mönches Sti…

  13. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 134

    test in deinen Irrlehren dem ehemals verurteilten Erzketzer Jan Hus" — donnerte der fanatische Mönch von der Kanzel. „Die Sache ist detestabel langweilig," gähnte irgendwo im Hintergrunde der Conte Bianchini, der so effeminiert war, so ewig…

  14. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 135

    te erzählen! Eine Historie von Diskretion! Der hochwürdige Jesuitenprovinzial Piano de Piani hat es also glücklich durch die Hofintrigue durchgesetzt, daß man die weiland unter Ferdinands II. katholischer Majestät eingeführten Judenpredigte…

  15. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 136

    Hausfreund, Sekretär, Pädagog, Vorleser, gewohnheitsmäßiges Faktotum und hält sich dazu aus seinen Einkünften eine kleine Freundin." „Es ist deliziös, es ist erlesen," lorgnettierte X. aus Gewohnheit umher, während er sich von der anderen S…

  16. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 137

    mit philosophischer Miene der Gesandte, „bemerkte ich auf ihrem Pariser Toilettentisch mit Vergnügen eine Auswahl der amoureusesten Schriften." „Mein Strumpfband hat sich gelöst — Sie dürfen es geschickt und unauffällig befestigen," antwort…

  17. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 138

    den färben- und glanzstrahlenden Fresken der imposanten Gewölbe: „Zum Feuer, zum Feuer!" „Magnifique," kicherte leise die kleine süffisante Khuenberg dazwischen, „sieht der Ketzer nicht wie Johannes in der Wüste aus, der sich von wildem Hon…

  18. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 139

    …einzige Ort, wo man wirklich lebt. Ich war bereits vor sechzig Jahren zum erstenmal dort und oft genug später. Der Herr Voltaire und andere Leute bringen jetzt die kostbare Novität auf, daß jeder Mensch gleiche Rechte habe. Ich bin dem anderen so w…

  19. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 140

    … fand sie aufgeregt. „So spielen Sie doch eine Schutz wand!! —Wo ist mein Rouge?" VERÄNDERUNGEN DES PRAGER STADTBILDES. Johannes Urzidil. Die Gründe städtebaulicher Veränderungen und Verschiebungen im Stadtbilde sind im Wesentlichen zwangsläufig. Sie hänge…

  20. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 141

    weisen und Materialien zusammen. Politische Umstürze, Wandlungen der Weltanschauung willkürliche Stilveränderungen aus ästhetischen Gründen bilden als Ursachen städtebaulicher Veränderungen ein besonderes, weniger umfangreiches, aber vielle…