Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 130)
- Language
- German
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weis von der vielseitig bestrickenden Art der Pragerin, welche im Um- und Bestricken mehr leistete als eine andere Frau. DER MUSIKPAPST VON PRAG. Erich Steinhard. Eine von den Originaltypen der Prager Kleinseite, ein aufgeblasener Herr — wenn man will, eine kleine Berühmtheit — die alle durchreisenden Musiker besichtigten. Heute schätzt man Johann Wenzel Tomaschek mit Recht viel höher ein. Dieser Mann hat übrigens Haydn persönlich gekannt, hat mit Beethoven verkehrt, war aber auch noch Zeitgenosse von Chopin und Wagner. Groß war Hanslicks Verlegenheit, als Berlioz knapp vor Tomascheks Tür gestand, er höre dessen Namen eben zum erstenmal und habe nie eine Note von ihm gesehen. Da hämmerte Hanslick seinem berühmten Freunde ein: Tomaschek hat ein glänzendes Requiem geschrieben, ein Requiem; paar Minuten später schmunzelt Tomaschek befriedigt, als Berlioz ihm sein Requiem lobt. Kurz daraufsaß Berlioz in einem Prager Konzert, in dem von zweiunddreißig Nummern einunddreißig Tomaschek-Kompositionen waren. Tomaschek hat Goethe und Schiller vertont und Gedichte der Königinhofer Handschrift in Musik gesetzt, hat eine Oper,,Seraphine" komponiert, Kirchenmusiken zu Papier gebracht und Orchestermusik, und vor allem Klavierwerke herausgegeben, die zweifellos zu den Blüten der Biedermeierkunst zu rechnen sind, er ist der Genrekomponist. 124