Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 137)
- Language
- German
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und glatzköpfig, in einem schmutzigen zerrissenen Gewand. Ihm zur Seite ging ein Wächter. Für Augenblicke brandete die geschlossene, unpersönliche Masse, ein Köpfemeer, mit verkrampften Fäusten drohend auf: Zum Feuer, zum Feuer! „Sehen Sie, gnädigste Komtesse," lispelte Graf Morzin auf der rechtsseitigen Empore sehr über die Schulter der jungen Harrach gebeugt, „dieser Kopf Seiner Eminenz, des hochwürdigen Legaten, ist durch seine Leidenschaften, die zweifellos deliziös sind, ebenso sehr charakterisiert wie unser vis-ä-vis, unser teuerer und verehrungswürdiger Freund Prorau." „Ich finde nur," sagte die Komtesse gedämpft, „daß seine offenbare Amante, die neue Gräfin Holkow uns gegenüber mit ihren schwarzen Schönheitspflästerchen allzu gepudert ist. Diese geheirateten gewesenen beautes populaires sind aber scheinbar in der Mode. Im übrigen langweilt mich diese ganze Szene, die vor uns tragiert wird, grenzenlos. Sorgen Sie für meine Unterhaltung, doch ohne Auffälligkeit 1" „Eh bien, man kanaillisiert sich; die Liebhaber der Holkow leben dafür von den Einkünften ihres Gatten mit," meinte amüsiert der Graf, „aber finden Sie nicht auch Seine Eminenz, wie die übrigen Kardinalsbeisitzer wirklich etwas komisch in ihrer Würde? Jeder ein Schlauch, ein Schwamm!" Die Komtesse lorgnettierte den Hochaltar: „Dieses künstlerisch inspirierende admirable Profil mit seiner scharfen römischen Hakennase, diesen eingekniffenen Lippen, demonstriert dennoch einen Mann voll Leidenschaft!" „Der Kardinal verschwendet für sein petit maison die 131