Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 142)
- Language
- German
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Hausfreund, Sekretär, Pädagog, Vorleser, gewohnheitsmäßiges Faktotum und hält sich dazu aus seinen Einkünften eine kleine Freundin." „Es ist deliziös, es ist erlesen," lorgnettierte X. aus Gewohnheit umher, während er sich von der anderen Seite von einem Herrn v. Y. neueste Pikanterien aus der Komödie berichten ließ; „Madame Caravoglia, der Stern der italienischen Oper," näselte er, voller Furor. „Die Abkömmlinge Sems hatten in ihre Ohren Baumwolle gestopft," lachte man seitab. Der außerordentliche Ambassadeur des Madrider Hofes raunte heimlich der so offenbar von dem durch die Komödie abgelenkten Fürsten vernachlässigten, für diesen zu jungen Gattin zu: „Die Vorstellung ist beseligend, Venus in den venetianischen Spiegeln meines runden Boudoirs vervielfacht sich vorzustellen!" „Dieses Boudoir, lieber Freund," girrte sie über den Rand ihres elfenbeinernen Fächers, „ist mehr berüchtigt als berühmt. Madame Z. hatte die Schwäche, es sich von innen zu betrachten. Es war Neugierde." „Charmant, Frauen, die ihren galanten Ruf zu genießen vermögen! Uber lächerliche Vorurteile erhaben ist nur das Sinnliche, das Eigentliche in der Liebe, bemerkt man sehr richtig," lächelte der Gesandte. Die junge Frau schaute unschuldig zu ihm auf: „Ich werde alle Ihre Reden meinem Beichtvater erzählen müssen. Meine Schulfreundin aus dem Kloster schwärmt auch für ihren geistlichen Tröster, der ein kluger, feinfühlender, diskreter Pater ist, daß die von ihm auferlegte Buße wirklich ein Vorgeschmack--himmlischer Wollust ist." „Als ich meine Aufwartung beim Lever der gefürsteten Äbtissin des königlichen Damenstiftes machte," erklärte 136